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Lisa bricht den Bannkreis der Verzauberung

49. Folge: Lisa bricht den Bannkreis der Verzauberung

Max und Miti sahen sich ängstlich und neugierig um. Jetzt erst erkannten sie, dass der vermeintliche Hügel, vor dem sie standen, ein böses Untier war. Bibbernd vor Angst, gestanden sie: „Fast wären wir auch noch verschluckt worden. Unsere Welt, in der wir leben, steckt so voll tückischer Gefahren. Wir können nicht unbeschwert durch die Natur spazieren. Noch etwas wollen wir dir sagen: Du bist eine gutherzige Fee.“ Vater Wichtel nickte zustimmend ohne sich weiter zu äußern.. „Nun“, fügte der Gärtner hinzu, „in meinem Garten ist mir noch nie eine Fee begegnet. Zum ersten Mal sehe ich ein solch graziles Wesen. Hoffentlich bringst du mir Glück.“ „Guter Herr, was du dir wünschst, soll in Erfüllung gehen. Und euch Zwerge wünsche ich viel Kraft für eure Friedensmission.“ Daraufhin reichte sie allen zum Abschied die Hand und verschwand hinter einer dichten Nebelbank, die auf ein Handzeichen von ihr, entstanden war. Verwirrt sahen sie dem unirdischen Treiben zu. Rasch bückte sich der Gärtner nach den Zwergenkindern, packte sie am Hosenboden und steckte sie in seine Westentasche. „Aber, wo ist Lisa?“, fragte er die Beiden. „Jetzt ist das kleine Mädelchen schon wieder mal ausgebüxt. Was sollen wir machen? Ohne sie können wir nicht zu den anderen zurück kehren.“ Es blieb den dreien nichts anderes übrig als nach der vorwitzigen kleinen Göre quasi zu fahnden. „Das ist töricht von ihr“, äußerte sich Miti dazu, „mir nichts, dir nichts, ohne weiteres, ab zu schwirren, das ist typisch für Lisa.“ Im Eiltempo stürmte der Gärtner mit den Zwergen in Richtung Wald, und zwar zu der Stelle, wo sich die Kröte befand. Ach du liebe Güte, da saß doch das Schwesterchen von Max bei dem Urviech. „Lisa“, schrie das Zwergenoberhaupt, „komm sofort zu uns ehe dir etwas zustößt.“ „Wie hast du es geschafft, so dicht an die gefährliche Kröte heran zu kommen?“, wollte der Gärtner wissen, „bist du lebensmüde?“ „Ich habe mich von hinten diesem Untier genähert. Ich bin herangeschlichen und ohne dass sie es spürte auf ihren Rücken gestiegen. Umdrehen kann sie sich nur ganz langsam. Also hatte ich nichts zu befürchten. Nun faucht sie wie eine Wilde, weil sie euch kommen sieht.“ Dies nahm die draufgängerische Lisa zum Anlass das Untier zu herzen und zu küssen. Da platzte die Kröte wie ein Luftballon. Es gab einen ohrenbetäubenden Knall, ähnlich dem Airbag bei einem Autounfall. Alle, die dabei standen, zuckten zusammen, denn mit einer solchen Lautstärke hatte keiner gerechnet. Die Vögel schossen wie Pfeile in die Höhe, das Niederwild, die Rehe suchten das Weite als fürchteten sie um ihr Leben. Inmitten aufsteigendem Rauch und Qualm kam eine gertenschlanke Frau, hüstelnd und mühsam nach Luft ringend, zum Vorschein. „Wo bin ich?“, wollte sie wissen, „es war so lange dunkel, nichts kann ich erkennen. das Licht blendet mich als schaute ich in die Sonne.“ „Beruhige dich“, sprach der Gärtner, „gleich hast du dich wieder an das Tageslicht gewöhnt.“ Dicke Freudentränen quollen aus den halb geschlossenen Augenlidern. Sie setzte sich auf einen Baumstumpf und gab Lisa, die sie auf ihren Schoss genommen hatte, einen zärtlichen Kuss auf ihr Pausbäckchen. „Baumnymphen können nicht helfen“, erläuterte sie, „weil die Bannkreise für überirdische Wesen gesperrt sind. Es war furchtbar in dem feuchten, stickigen Leib ständig in gebeugter Haltung zu sitzen und zu warten, bis mich jemand erlöst.“

Der Gärtner hielt die quirlige Lisa von jetzt an fest in seiner Hand, damit sie nicht mehr weglaufen konnte. Die junge Frau erholte sich allmählich von den hinter ihr liegenden Strapazen. Aber das Gehen fiel ihr schwer. Sie konnte kaum mit dem Gärtner Schritt halten. Bei den in voller Ungeduld wartenden Zwergen angekommen, stolperte sie über einen dicken Ast, der quer über den Weg lag. Erschrocken drehte sich der Gärtner um, setzte seine kleinen Freunde eilends in den Handwagen, um ihr aufzuhelfen. Zunächst dachten alle, sie hätte ein Bein gebrochen. Das war glücklicherweise nicht der Fall. Lediglich das rechte Knie und der Ellenbogen wiesen Schürfwunden auf. Sie erhob sich, lachte und meinte: „Meine Verletzungen sehen schlimmer aus als sie sind. Macht euch keine Sorgen.“ Miti nahm den Vorfall witzig und entgegnete: „Du brauchst vor uns Zwerge nicht auf die Knie zu fallen.“ Susi, so nannte sich die junge Dame, schnappte sich die Deichsel des Wagens und ab ging es, gemeinsam mit dem Meister, in Richtung Garten. Völlig erschöpft verkrochen sich die Knirpse zwischen Kräutern und Gänseblümchen, während die Erwachsenen die Nacht auf Gartenliegen vor der Laube verbrachten. Alle schliefen ohne Schäfchen zählen zu müssen, gleich ein. Die Sonne zeigte noch einmal ihre strahlende Helligkeit. Schließlich verlosch im Westen ihr letzter Widerschein.

In der Nacht kamen von Frankreich her stärkere Luftmassen, die Gewitterwolken mit sich führten. Man hörte in der Ferne ein dumpfes Grollen. Erst in den frühen Morgenstunden erreichte die Gewitterfront das Gebiet um den Garten. Mit einem dem Blitz folgenden gewaltigen Donnerschlag wurden alle aus ihren Schlaf gerissen. Gleichzeitig setzte ein wolkenbruchartiger Regen ein. Hastig sprangen die Zwerge in die Höhe und suchten Schutz unter dem Vorzelt der Laube, wo auch der Gärtner und die junge Frau sich untergestellt hatten. Taumelnd vor Schreck lief das sonst so stille Erdmännchen zu ihnen hin, denn nicht weit von seiner Behausung war der Blitz eingeschlagen. Selbst Meister Lampe und seine Familie suchten Zuflucht in der Gartenlaube. Sogar ein Regenwurm streckte seinen Kopf unvorsichtigerweise aus dem Boden, wurde aber bald von der Amsel entdeckt und gefressen. Etwa eine Stunde tobte das Unwetter. Dann zog es in Richtung Nordosten weiter. Eine flüchtige Röte berührte im Osten den Himmel. Die ersten Sonnenstrahlen schienen auf das Laubendach und die sich leicht bewegenden Zweige legten ein feines Schattengitter.

Max hat Probleme und Besuch vom Mars.

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