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Der große Abschied und der grässliche Geist aus der Flasche

53. Folge: Der große Abschied und der grässliche Geist aus der Flasche

Die beiden Frauen hielten sich nicht lange auf, da sie noch vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein wollten. Da erhob sich Herr Wichtel, reichte den Frauen die Hand und sagte: „Liebe Susi, liebe Mutter, lieber Gärtner, mit dem ersten Frühstrahl werden wir morgen aufstehen und weiter ziehen. Wir haben hier eine erholsame Zeit verbracht und viel Spaß gehabt. Gern würden wir Euch mitnehmen. Aber unsere Welt ist nicht Eure Welt. Deshalb werden wir auf Fußspitzen weg gehen, so wie wir hier her gekommen sind. Wir werden Euch in bester Erinnerung behalten, das versprechen wir. Vielleicht treffen wir uns irgendwo, irgendwann noch einmal. Das wollen wir aber dem Zufall überlassen.“

In den frühen Morgenstunden brachen die kleinen Leutchen auf. Hase Langohr, ein stolzer Hirsch und ein Eichhörnchen begleiteten die Wichtels bis zu einer großen feuchten Aue, wo sich 20 bis 30 Störche versammelt hatten, um gemeinsam den Flug ins Winterquartier anzutreten. Ihr lautes Geklapper war weithin zu hören als sollten Ratten, Mäuse, Frösche und anderes Getier aus ihren Schlupflöchern gelockt werden. Erfreut über den Anblick so vieler Vögel, liefen sie zu ihnen hin und baten darum, mitgenommen zu werden. „Klapper di klapp“, antwortete einer von der Familie Adebar, „wir fliegen nach Südafrika, nicht zum Nordpol. Dort ist es uns zu kalt.“ Enttäuscht zogen sich die Zwerge in ihren vertrauten Wirkungskreis, dem Wald, zurück und stopften aus Frust Beeren und Pilze in sich hinein. „So geht das aber nicht“, schalt das Zwergenoberhaupt, „das Wort ‚aufgeben‘ kennen wir Zwerge nicht. Wir suchen nach Möglichkeiten wie wir unsere Reise fortsetzen können und wenn wir vorab ein Füßchen vor das andere setzen müssen.“ Besonders die Kleinen waren von dieser Aussicht nicht begeistert und machten Gesichter wie 14 Tage Regenwetter, denn zum Laufen hatte keiner von ihnen so rechte Lust.

„Seht mal, da haben doch Spaziergänger eine Wasserflasche in das Gebüsch geworfen“, rief Maxi, „muss man auf diese Art und Weise seinen Unrat los werden?“ und gab ihr einen Schubs. Dadurch öffnete sich der Verschluss der Flasche. Weißer dichter Qualm stieg kräuselnd in die Höhe und nahm eine menschenähnliche Gestalt an. Mit knarrender Stimme gab die gespenstige Erscheinung schlimme Worte von sich und drohte, alle Zwerge in Stechmücken zu verwandeln, wenn sie nicht aufhörten, dauernd über den Frieden in der Welt zu schwatzen. „Du versuchst uns einzuschüchtern“, widersprach ihm Herr Wichtel, „wir werden weiter für die Gerechtigkeit kämpfen, woran auch du nichts ändern wirst.“ Inzwischen gab Herr Wichtel seinem Sohn einen leisen Hinweis, dass er sich mit dem Höhlengeist Marabuli, der über dieses Terrain herrscht, in Verbindung setzen solle. Dieser möge ihm sagen, wie man den gefährlichen Geist wieder in die Flasche bekäme. Miti verschwand in einem unterirdischen Gang und stieß fast mit diesem ungewöhnlich riesigen Waldwesen zusammen, weil es direkt am Eingang des Schlupfloches stand. Das Schlitzohr hatte das Streitgespräch zwischen dem Unheil drohenden Geist und den Zwergen mit angehört und kam auf folgenden Gedanken: „Ein kleines Unwetter lasse ich jetzt aufziehen. Heftiger Wind wird aufkommen, der den Flaschengeist zerfetzt. Derweil verkriecht ihr euch in einem meiner Gänge, damit ihr nicht mit weg geblasen werdet.“

Der Geist Marabuli sprach folgende drei Worte: ‚Laxa, maxa, maxa‘. Da erhob sich ein heftiger Orkan, der Bäume und Sträucher beinahe entwurzelte. Der böse Geist brüllte so fürchterlich, dass man meinen konnte, die Welt ginge unter. Seine durchsichtige Gestalt löste sich in winzige Teilchen auf und diese wurden in alle Himmelsrichtungen geweht. Danach wollte Marabuli mit einem Zauberspruch den Wirbelwind abbrechen. Er sprach ‚axam‘, also das erste Wort und da passierte etwas ganz Schreckliches: Ein Ast brach vom Baum und begrub ihn unter sich. Für kurze Zeit blieb er ohne Bewusstsein. Dann, als er wieder zu sich kam, hörte man ihn die beiden letzten Worte murmeln: ‚Axam, axal‘. In diesem Augenblick legte sich der verheerende Sturm. Nur ein frisches Lüftchen säuselte durch den herbstlichen Wald.

„Hui“, bemerkte Herr Wichtel, „endlich ist der scheußliche Sturm vorbei. Das war ein Getöse. Wie ich sehe seid ihr alle unversehrt.“ Er hatte gerade das letzte Wort ausgesprochen als ohrenbetäubendes Klirren und Krachen die Waldleutchen aufschreckte. „Was ist das schon wieder?“, fragten sich die Zwerge und suchten rasch Deckung unter dichtem Gestrüpp. Sie waren kaum in Sicherheit als schon die ersten metallenen Teile wie Geschosse durch die Gegend spritzten. Dann ein lauter Knall, der sich wie ein Aufschlag eines Flugobjektes anhörte. Gleich darauf ein weiterer Aufprall, der den Waldboden erzittern ließ. Vorsichtig schoben unsere kleinen Freunde die Zweige des Gestrüpps beiseite, um sich eine bessere Sicht zu verschaffen. Sie staunten nicht schlecht, was sich da ihrem Anblick bot: Ineinander verkeilte UFOs und verglühende Metallstücke lagen zerstreut auf den angrenzenden Wiesen und Feldern. Die Außerirdischen sprangen aus ihren Raumfahrzeugen. Sie wollten sich keiner möglichen Gefahr aussetzen, sei es durch eine Explosion oder herabstürzende Teile. Schon beim Aussteigen warfen sich Marsianer und die Alien vom Sternensystem Zeta Reticuli feindselige Blicke zu.

Die gewaltbereiten Marsianer.

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