Die Kreuzspinne und die tapsige Waldohreule

Es war einmal eine wohlgenährte Spinnenfrau. Ihr Spinnennetz, das sie in halber Höhe einer Kiefer zwischen Zweigen angelegt hatte, wurde ihr von einer Waldohreule, die sich hoch oben im Baum eingenistet hatte, ständig zerstört. Es war eine unvorsichtige Mitbewohnerin. Oft setzte sie sich auf einen Ast, um von da aus ihr Jagdrevier zu überblicken. Dabei zertrat sie schon mal die über die Baumrinde krabbelnden Insekten.
Über soviel Tolpatschigkeit ärgerte sich die Spinnenfrau und nahm sich vor, ihr einen Denkzettel zu verpassen. So stieg die Kreuzspinne bis in die Krone des Baumes hinauf und webte dort ein riesengroßes Netz über den Horst des Nachträubers und wartete bis er von seinem nächtlichen Beuteflug zurück kam. Da der Mond sehr hell schien, wurde die Waldohreule geblendet und flog schnurstracks in das Gespinst hinein. Ein kitzeliges Gefühl, denn all die feinen Fäden hingen ihr um den Kopf. Als die Kreuzspinnenfrau sah, wie sich der Vogel abmühte, seine Federn wieder sauber zu bekommen, sagte sie: „Deine Ungeschicktheit hat mich wütend gemacht. Deshalb habe ich dir eine Falle gestellt.“ „Schön war es nicht von dir, mich so zu erschrecken“, erwiderte die Waldohreule und flog lautlos, wie von Geisterhand gesteuert, in den dunklen Wald.

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