Die Geschichte von kleinen Waldmenschen

Fantasygeschichte von Renate Bertram (* 09.05.1935 - † 04.10.2018)

Knecht Ruprecht verirrt sich

66. Folge: Knecht Ruprecht verirrt sich

Zu dieser Zeit befand sich Knecht Ruprecht auf seiner Rückreise. In der Dämmerung verirrte er sich und geriet auf den Pfad, der zur alten Hütte führte. Da er Stimmen hörte, hielt er an und schaute hinein. Noch bevor er etwas sagte, entdeckten ihn Max und Miti und riefen: „Seht mal, da kommt Knecht Ruprecht, der den St. Nikolaus in der Weihnachtszeit begleitet.“ „Freut euch nicht zu früh,“ bemerkte der Wichtelvater, „er hat die Rute zwar in seinem Schlitten gelassen, aber, wenn er sein Buch, das er stets in seiner Manteltasche mit sich herum trägt, herausholt und darin liest, dass ihr böse ward, dann gibt es keine Nüsse und Mandeln, die ihr so gern esst.“ „Ja, gutes Männlein, so ist es“, erklärte er, „dennoch will ich Milde walten lassen, weil ich ziemlich gestresst bin. Die zurückliegenden Weihnachtswochen waren sehr anstrengend. Ich musste mit dem schweren Sack auf dem Rücken, gefüllt mit Spielsachen und Süßigkeiten, weite Strecken zurück legen. Kam ich in ein Haus, dann stellte ich fest, dass die Kinder gar nicht so unartig waren, wie es in meinem Buche stand. Allerdings gab es auch welche unter ihnen, denen ich mit der Rute drohen musste, um sie zur Vernunft zu bringen und dann redeten sie, was sie alles angestellt hatten. Ihre Eltern waren darüber so entrüstet, dass ihnen selbst fast die Hand ausrutschte. Ich beschwichtigte sie, denn mit Prügel wird nur Hass erzeugt. Letzt und endlich hören dann die Kinder überhaupt nicht mehr. Ja, über euch Zwergenkinder gibt es keine schandbaren Nachrichten. Deshalb bekommt ihr von mir auch etwas.“ „Danke,“ schrien die Zwergenkinder, „dass du uns etwas mitgebracht hast.“ „Ich kann mich nicht lange bei euch aufhalten, da ich noch eine lange Reise vor mir habe. Bleibt so, wie ihr seid, kämpft weiter für die Gerechtigkeit. Tschüss bis zum nächsten Jahr.“

Knecht Ruprecht verließ die feucht kalte Hütte, schwang zum Abschied seine Peitsche in großem Bogen durch die Luft und verschwand im finsteren Wald.

„Tja“, meinte der stets umsichtige Zwergenvater, „wir kommen nicht umhin recht bald eine wärmere Bleibe zu finden. Wir erstarren sonst noch bei diesem Frost. Auf, auf ihr müden „Hasen.“ Daraufhin sammelten sich die Gänse, bereit zum Flug. Die Zwerge setzten sich auf das weiche und wärmende Gefieder der Vögel. Dynamisch wie Flugzeuge erhoben sich die Gänse und landeten kurze Zeit später auf einer ausgeholzten Stelle im Wald. Hier luden sie die kleinen Waldmenschen ab.

Die Wildgänse flogen sodann nach Südskandinavien weiter und machten dort an einem der Teiche Station.“

Die Zwerge wollen ihre Reise fortsetzen, aber ein weinendes Kind – morgen geht es weiter….

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