Die Geschichte von kleinen Waldmenschen

Fantasygeschichte von Renate Bertram (* 09.05.1935 - † 04.10.2018)

Wichtelmännchens Begegnung

6. Folge: Wichtelmännchens Begegnung

Nach und nach trat die alte Machtgier bei ihnen wieder ein. Sie waren glücklicherweise vernünftig genug, Wichtelmännchen in Ruhe zu lassen. Sie verließen ihr Lager und zogen weiter zu anderen Orten. Ihre streitbare Natur säte weiterhin Hass, Sünde und Tod über die Bevölkerung aus. Der Familie Wichtel war das nicht gleichgültig. Was sollte sie machen gegen eine solche Übermacht. Sie verbarg sich im hügeligen Waldgelände und vertraute sich den Tieren an. Gewiss sind die Tiere beileibe nicht so friedfertig wie allgemein angenommen wird. Je nach dem verteidigen sie ihre Reviere, in denen sie leben und ihre Jungen großziehen, ganz heftig. Oder sie dringen in fremde Gebiete ein und verjagen die schwachen Artgenossen. Diesem Instinkt folgend erhalten die Tiere das Gleichgewicht in der Natur. Wichtelmännchens Tarnkappe sah ständig mitgenommen aus, da es nicht darauf aufpasste. Dennoch, die Löcher waren nicht allzu groß. Viele Käfer fraßen und knapperten an ihr herum. Wichtelmännchen unternahm nichts gegen diese Plage. Es ließ die Insekten einfach gewähren. Die Mütze bestand nämlich aus großen und kräftigen Blättern und Farn wurde durch biegsame Zweiglein zusammengehalten.

Schlimm war es nicht, wenn die Mütze nicht mehr hielt. Frau Wichtel hatte schon wieder eine neue gemacht. Sie arbeitete stets auf Vorrat, da sie wusste, dass ihr Männchen nicht sehr vorsichtig damit umging. Ab und zu streifte es einem Gestrüpp vorbei und schon zerriss die Tarnkappe. Alle Käfer bekamen Kulleraugen, wenn sie ein Stückchen von seiner Zipfelmütze aus dem Gebüsch hervorlugen sahen. Sofort setzten sich darauf und ließen es sich gut schmecken. Dadurch entstanden immer mehr Löcher. Wie schon erwähnt, war das für Wichtelmännchen gar nicht wichtig, was mit seiner Mütze passierte. Einzig und allein sein Frauchen ärgerte sich unheimlich, wenn ihr Männlein zurück kam und viele Insekten in die Behausung hineinbrachte. Dann schimpfte sie mit ihm, nahm ihn sein Häubchen ab und war es durch de n Höhleneingang hinaus in den Wald. Natürlich freuten sich alle Insekten über diese zusätzliche feine Nahrung.

Was macht überhaupt unser Wichtelmännchen öfters im Wald? Das kann man klipp und klar erzählen. Es sucht nach anderen Pflanzen und probiert andere Mischungen aus. Oder lässt sich auch aus Zweigen oder Ästchen ein Zaubertrank herstellen? Es prüfte jeden Ast und Zweig, der auf dem Boden lag und lief deswegen eine weite Strecke. Eines Tages entdeckte es auf dem Weg eine andere Zwergenfamilie. Sie wohne wie die Familie Wichtel unter dem Waldboden. Zwergenmännchen freute sich sehr über die Entdeckung und wurde herzlich zu Essen und Trinken eingeladen. Sie erzählten sich eine Menge Geschichten, die sie erlebt hatten und kamen sich auf diese Weise näher. Nun war es für Wichtelmännchen allmählich Zeit aufzubrechen, denn sein Frauchen wartete schon auf ihn. So vereinbarte man beim Abschied, dass beide Familien sich öfters treffen. Alle waren sich einig, je größer die Gemeinschaft sei, desto stärker könne man gegen Ungerechtigkeit und Unfrieden angehen. Nebenbei hörte Wichtelmännchen von weiteren Familien seines Volkes. Sie wohnten in unmittelbarer Nähe. Frohgemut und lustig lief es zu seinen Lieben zurück und erzählte freudestrahlend seiner Familie, wem es begegnet sei.

Das Waldfest der Zwerge.

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Das Waldfest der Zwerge

7. Folge: Das Waldfest der Zwerge

Freilich waren die Kleinen daran interessiert, die für sie noch unbekannten Nachbarn zu sehen. Sie zogen am folgenden Tage auf eigene Faust los in der Hoffnung irgendeinen von ihnen zu treffen. Dabei fragten sie auch die Tiere, die ihnen über den Weg liefen. Diese taten sehr geheimnisvoll, zeigten ihre Zähne als ob sie lächelten, verrieten aber den Naseweisen kein Wort. Darüber wurden die Wichtelkinder sehr böse. Sie sammelten Steine und wollten damit die Tiere bewerfen. In diesem Moment kam ihr Vater hinzu und konnte das Schlimmste verhindern. Er lehnte doch jeden Streit und Hader ab.

„Jetzt fingen seine eigenen Kinder an Krieg zu führen“, dachte er. „Was soll das?“, rief er beiden zu. „Ich kämpfe für Frieden und Gerechtigkeit und ihr sät Zwietracht. Sofort geht Ihr in die Höhle und wartet bis ich zurückkomme.“ Lange ließ Wichtelvater nicht auf sich warten. Er erklärte ihnen in Ruhe, welche Fehler sie begangen hatten. Inzwischen bereitete Wichtelmutter einen Tee zu Danach setzte sich die Familie gemütlich zusammen. Während sie die frische Kräutermischung probierten, wurde nochmals über den verhängnisvollen Vorfall gesprochen. Die Kinder sahen ihren Fehler ein, gaben jedoch gleichzeitig zu, halt neugierig gewesen zu sein. Sie wollten auf die Schnelle die neuen Freunde kennenlernen und wollten wissen wie sie aussehen. „Ihr werdet sie noch früh genug kennenlernen“, sagte Wichtelvater, „außerdem solltet Ihr nicht zu voreilig sein.“ Die Kinder beruhigten sich, aber die innere Spannung andere Zwerge kennenzulernen blieb.

Die Zeit bis zum vereinbarten Treffen erforderte viel Geduld von ihnen. Wichtelmutter war diesen Waldbewohnern ebenfalls noch nicht begegnet. Auch sie musste bis dahin geduldig warten. Wichtelmännchen hatte Freude seine ganze Familie auf die Folter zu spannen. Endlich war der Tag der Begegnung gekommen. Dazu arrangierte Familie Wichtel ein tolles Waldfest. Die Vorbereitung waren im vollem Gange, als diese durch Menschen gestört wurden. „Was haben die Leute hier zu suchen?“, sinnierte Wichtelmännchen. Abermals zog es seine Tarnkappe auf und mischte sich unter sie. Seine Sorgen wegen Unruhe und Streit war unbegründet. Die Menschen wollten nur Pilze sammeln, die hier in großen Mengen vorkamen. Trotz alledem konnte das Treffen der Zwerge vorgenommen werden. Schnell werden noch Kräuter , Beeren, essbar Pilze und Vogeleier gesucht und zubereitet. Es gab sehr viel zu tun. Bald, so gegen Mittag, kamen die ersten Besucher. Sie brachten Geschenke mit, die sie aus Holz, Zweigen, Blättern gebastelt haben. Besonders die selbstgemachten Körbe zum Sammeln von Holz und Kräutern haben der Familie Wichtel gut gefallen. Alle ließen sich auf dem Waldboden nieder. Sie aßen und tranken und erzählten Sagen und Märchen. Die Zwergenkinder hörten ganz gespannt zu. Sie erfuhren, dass im Wald vor langer, langer Zeit riesengroße Tiere lebten. Man nannte sie die Dinosaurier. Es gab fleischfressende und pflanzenfressende Reptilien. Die größten Geschöpfe unter ihnen erreichten eine Länge von 27 Metern und ein Gewicht von 27 Tonnen. Das war schon einiges. Alle meinten: „Hätten wir Zwergen und Wichtels zu jener Zeit gelebt, wären wir für sie Kleinstlebewesen gewesen. Unvorstellbar, was diese Tiere mit uns gemacht hätten.“ Ja, und mit der Zeit, es dauerte jedoch viele, viele Jahre wurde der Wald von diesen Tierarten kahlgefressen. Die riesigen Tiere fanden keine Nahrung mehr, wurden körperlich schwächer und bekamen keinen Nachwuchs mehr. Unwetter setzte ein und die stärksten Dinosaurier wollten den Naturgewalten entfliehen und für sich neue Lebensgebiete erschließen. Sie kamen nicht weit. Schwere Gesteinsbrocken von Meteoriten aus dem Weltraum schlugen auf die Erde und jegliches Leben wurde vernichtet.

Die kleinen Zwergenkinder, die nicht größer als die größten Steinpilze im Wald waren, lauschten den Erzählungen mit leuchtenden Augen. Ihre Münder standen offen. Ein bisschen Furcht schlich sich mit ein. Speziell, als über die Steinzeitmenschen geredet wurde, die im dichten Wald lebten, um sich vor Sonne, Unwetter und großen Tieren zu beschützen. Sie wohnten in Höhlen, legten sich schlafen, wenn die Dunkelheit anbrach und standen erst auf, wenn es hell wurde. Um Feuer zu machen, rieben sie zwei Hand große Steine gegeneinander und garten auf offenem Feuer ihr einfaches Gericht. Das Fleisch von erlegten Tieren haben sie am Spieß gebraten. Ihre Kleidung war aus Fell, dass sie gleichzeitig vor Hitze und Kälte schützte.

Zu jener Zeit lebten nicht nur Eulen und Uhus in Baumlöchern, sondern man glaubte auch an kleine Kobolden, die mit den Steinzeitmenschen angeblich Schabernack trieben. Sie erschreckten die Menschen mit ihren blinkenden Augen. Oder waren es doch nur die Nachttiere, die in den Bäumen lebten? Oder im Sommer die Glühwürmchen? Dennoch die kleinen Kobolde taten niemanden etwas zu Leide. Bis tief in die Nacht hinein wurde fabuliert und erzählt. Alle Zwerge und Wichtels waren sehr glücklich miteinander und versprachen bald wieder ein gemeinsames Fest zu veranstalten.

Das grübelnde Wichtelmännchen und die Begegnung mit dem alten Mann in der Tropfsteinhöhle.

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Das grübelnde Wichtelmännchen und die Begegnung mit dem alten Mann in der Tropfsteinhöhle

8. Folge: Das grübelnde Wichtelmännchen und die Begegnung mit dem alten Mann in der Tropfsteinhöhle

Waldmenschen grübelte viel, wenn es alleine durch den Wald schlenderte. Seine Gedanken kreisten unter anderem um seine Größe und die von allen Zwergen überhaupt. „Was könnte man tun um unser Wachstum anzuregen. Gibt es hierfür Pflanzen und Kräuter?“ Viele solcher Fragen gingen durch sein Köpfchen. Seine natürliche Größe hatte es erreicht. Könnte ein weiteres Wachstum nicht körperliche Schwierigkeiten ergeben? Jedes Organ, ja die kleinste Einheit im Körper müsste plötzlich sehr stark arbeiten um zu wachsen oder sich zu vermehren. Das wäre eine Herausforderung an die Natur der Gnomen und Zwerge, die im Wald leben und möglicherweise würden sie eine solche Veränderung nicht überstehen. „Nein, am besten bleiben wir so wie unsere geistigen Väter uns erschaffen haben. Vielleicht spreche ich irgendwann mal mir den anderen Zwergen über das Thema“. Es beobachtete die Vögel, die kleinen und großen Tiere, und befand, dass alle Lebewesen eigentlich mit sich zufrieden waren. Plötzlich entdeckte es eine geräumige Tropfsteinhöhle, die voll von kreischenden Fledermäusen war. Um seine Wissbegierde zu befriedigen, ging es ein Stückchen hinein, und sah dort wunderschöne Zapfen, die von der Decke bis auf den Boden reichten. Nicht weit dahinter war ein klarer See, dem man bis auf den Grund schauen konnte. Seltsame Fische schwammen darin herum, deren Schuppen wie Diamanten glänzten, wenn sie von einem Lichtstrahl getroffen wurden.

„Warum ist diese zauberhafte Höhle noch nicht entdeckt worden?“, meinte das Wichtelmännchen. Wie Wichtel so seinen Gedanken nach hing, wurde ein großer Felsblock beiseite geschoben und es erschien ein großer alter Mann mit einem langen weißen Bart. Da erschrak Herr Wichtel sehr und wollte sogleich weglaufen. „Nein“, sprach der Greis, „ich tue dir nichts. Ich möchte mich mit dir unterhalten.“ Das Zwergenmännchen blieb immer noch wie angewurzelt stehen und hörte mit klopfenden Herzen die tiefe Stimme. Es war so aufgeregt, dass es den Alten nur noch schemenhaft sah. Der Greis beruhigte ihn erstmal und erzählte: „Ich wohne schon sehr lange in dieser Gegend. Meine Familie hat mich verstoßen, weil ich mein Äußeres keinen Wert lege und nur ganz alte scheußliche Kleider getragen habe. Das konnte meine Familie nicht ausstehen. Ich verzog mich daher in den dunklen Wald, wo mich keiner mehr fand.“ Er war so glücklich mit jemandem reden zu können und bat darum, die ganze Wichtelfamilie besuchen zu dürfen. So lud es ihn ein, sofort mitzukommen. Meine Frau hat immer zu essen und zu trinken bereit stehen. Allerdings ist die Höhle zu kleinen für einen normalen Menschen. Deshalb müssen alle meine Angehörigen aus der Behausung herauskommen um dich zu begrüßen“, antwortete er. Klar, dass Herr Wichtel vorher seine Familie ganz behutsam aufklärte, wie der Fremde aussah und wo es ihn getroffen hatte. So konnten Frau und Kinder den für sie Unbekannten ohne Furcht willkommen heißen. Der übliche Kräutertee wurde ihm in kleinen Tassen serviert. Bei diesem gemütlichen Zusammensein vertraute man sich manches Geheimnis an.

Der alte Mann erzählte von einem Schatz, den die bösen Krieger erbeutet und in einer tiefen Versenkung eingelagert hatten. Er hatte damals heimlich die bösen Krieger verfolgt und deshalb wusste er, wo sich das Versteck befand. Das interessierte die Zwergenfamilie sehr, denn sie dachten an die armen Leute, die um ihr Hab und Gut gebracht worden waren. Der ungewöhnlich freundliche Besucher verließ nach einer kurzen Zeit die kleine Sippschaft. Jetzt galt es zu überlegen, wie die erbeuteten Sachen an die Leute zurückgegeben werden könnten. Eine gewisse Vorsicht war geboten, da stets damit gerechnet werden musste, dass die wilde Horde zurückkam. Eine Versammlung wurde einberufen, bei der alle Zwergen, Gnomen und Wichtels sich zusammensetzten und beratschlagten, wie man dabei vorzugehen habe. Nach diesem gemeinsamen Treffen trippelte Wichtelmännchen wieder kreuz und quer durch seine Umgebung, blieb aber immer in der Nähe seines Unterschlupfs. Dabei kam ihm eine Idee, die sich auch ausführen ließ: Kräuter und Pflanzen zu verwenden, die die Schätze verdecken könnten. „Wenn die Flora so viele Möglichkeiten bietet, dann könnte eine Mischung die Gegenstände unsichtbar machen. Sollte die Bande zurückkommen, fänden sie nur dem Anschein nach eine leere Höhle, obwohl das gestohlene Gut an dieser Stelle aufbewahrt ist. Vorab muss ich erst eine kleine Mischung versuchen, um dahinter zu kommen, wie viele Pflanzen von jeder Sorte hineingegeben werden dürfen..“ Voller Ideen wanderte Wichtel wieder nach Hause. Das war selbstverständlich eine große Herausforderung für die er eine gewisse Zeit brauchte. Wie so oft half ihm seine Familie dabei.

Klein-Wichtel Miti, so rief ihn jeder, schlug in der Art völlig nach seinem Vater. Es war das eifrigste Persönchen, wenn es um das Zusammenstellen von Pflanzen ging. Sie überlegten miteinander, welche Pflanzen, Sachen und Dinge unsichtbar machen könnten. Das Rezept für sie selbst, war ihnen schon bekannt und das verrieten sie keinem anderen. Noch nie hatten sie Sachen unsichtbar gemacht. Miti meinte zu seinem Vater: „Wir können keinen Tee aufschütten. Das gestohlene Gut wird nass und ist dann unbrauchbar.“ Sein Vater gab ihm recht. Darüber hatte er eigentlich nicht nachgedacht.So sammelten alle Zwerge und auch der alte Mann eine ganze Menge Reisig und Blätter und trugen sie in die Tropfsteinhöhle. Tatsächlich wurde dadurch zwar alles abgedeckt, jedoch nicht unsichtbar gemacht. Es sah aus als wäre an dieser Stelle eine Hecke gewachsen. Sie waren mit diesem Ergebnis sehr zufrieden.

Krieger nehmen Zwergenkind als Geisel und Lagebesprechung der Zwerge.

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Krieger nehmen Zwergenkind als Geisel und Lagebesprechung der Zwerge

9. Folge: Krieger nehmen Zwergenkind als Geisel und Lagebesprechung der Zwerge

Einige Wochen gingen vorüber. Es folgten eine wundervolle Zeit der Ruhe und Entspannung. Alle fühlten sich glücklich. Jeden Tag trafen sich einige Zwergenkinder zum Spielen. Ihre piepsigen Stimmen waren noch in weiterer Entfernung vernehmbar. Vertieft in ihrem Spielen, bemerkten sie nicht, als erneut die kriegerischen Horden in den Wald eindrangen und ihre versteckte Beute suchten. Da die Krieger ihr Lager nicht mehr entdecken konnten, wurden sie wild und nahmen sich ein Zwergenkind als Geisel. Das Geschrei der Kids war weithin hörbar. Sie liefen ganz schnell nach Hause und waren so in Eile, dass einige unter ihnen ihre kleinen Pantöffelchen verloren. Sie schilderten den Zwergeneltern was sie erlebt hatten. Wichtelmännchen wurde ganz ärgerlich, zog seine Tarnmütze auf und trank zusätzlich seinen kräftestärkenden Tee, der schon nach einigen Minuten wirkte.

Sofort schlich es aus seiner Behausung, stapfte, um leise zu sein, über den moosigen Waldboden hinüber zum alten Mann in der Tropfsteinhöhle. Es mobilisierte alle Zwergenfamilien und versorgte sie mit Tarnkappen und Krafttrank. Als alle unsichtbar waren, schritten sie zur Tat. Sie umringten die Horde und trieben sie in die Enge. Danach bauten sie eine lebende Pyramide und der oberste Zwerg beugte sich über die bösen Männer und entriss ihnen mit einem Ruck das kleine Kerlchen. Der große Mann musste aufpassen, dass keiner während des Überfalls von der menschlichen Pyramide abstürzte. Es ging alles derart schnell. Keiner der Krieger wusste wie ihm geschah.

Verdutzt, fassungs- und sprachlos standen sie beisammen, denn so eine Schmach hatten sie bis jetzt noch noch nicht erlitten. Einer der Männer, der sich zuerst von seinem Schock erholt hatte, meinte: „Hier scheinen Geister am Werk zu sein, ich habe niemanden gesehen!“ Das war eine schreckliche Niederlage, die ihnen durch die kleinen Zwilche beigebracht wurde. Aber einem der Halunken fiel ein, dass sie auf einem Gebiet standen, wo sich viele solcher Knollennäschen aufhalten. Eigentlich bringen diese Wesen dem Menschen Glück, wenn sie auch ungesehen in ihrem Revier wuseln.

Diese Horde, die nur Arges im Sinn hatte, mussten sie überlisten. Unterdessen verschwanden die Zwerge und der nette Höhlenbewohner. Sie freuten sich über ihren Erfolg. Die Zwerge und Wichtels und Gnomen und Zwilche, wie man sie auch nennen mag, feierten ihren Triumph bis tief in die Nacht hinein.

Am nächsten Tag, als die Sonne den höchsten Stand erreicht hatte, trafen sich die Zwerge um feste Pläne zu schmieden. Sie vertrauten einander, so dass sie über alle ihre Probleme sprechen konnten. Zunächst wurde der älteste Zwerg als Oberhaupt gewählt und das war natürlich Herr Wichtel. Er konnte jetzt bestimmen, welche von den eingebrachten Themen besprochen werden sollten. Selbstverständlich durfte nur das durchgeführt werden, womit die Mehrheit der Zwerge einverstanden war. Als erstes beratschlagte man, wie die Kriegsgüter an ihre Besitzer zurückgegeben werden sollten. Das war sehr schwierig, denn sie wussten überhaupt nicht von wem die Gegenstände waren und wo die Eigentümer wohnten. Also fasste man den Entschluss, die ganze Angelegenheit eine Weile auf sich beruhen zu lassen. Des weiteren suchten die Familien nach einer Lösung, ihre Kinder für das künftige Leben vorzubereiten. Sie sollten auf alle Gefahren, die überall im Wald lauerten, aufmerksam gemacht werden. Manche unter ihnen waren so arglos und neugierig, dass sie imstande waren, sie selbst Schaden zuzufügen. Wichtig war zu erfahren, wie viele Zwergenkinder es in der Umgebung gab. Schließlich wurde der begabteste Zwerg zum Lehrer ernannt. Er konnte den Knirpsen so spannende Geschichten erzählen ohne sie zu ängstigen, nannte Beispiele, wie sie sich großen Menschen gegenüber zu verhalten haben. Vor allen Dingen sollten sie stets achtsam sein. Wichtig ist, flink wie ein Wiesel zu sein. Dafür gab es extra Überstunden, in denen Schnelligkeit und Reaktion geübt wurde. Darauf freuten sich die Zwergenkinder ganz besonders. Sie zeigten dabei bemerkenswertes Geschick.

Es war eine große Freude zuzusehen, wie sie mit ihren kurzen Beinchen Hindernissen auswichen. Hin und wieder stolperte einer von ihnen über einen kleinen Ast. Das tat ihm nicht
weh. Im Gegenteil, sie lachten sich kaputt über ungewollte Purzelbäume. Trotzdem meinte ihr Lehrer, dass sie noch nicht genügend aufpassen würden. Jeder der Zwergenkinder trainierte so lange bis es alles verstanden hatte. Wenn die Kinder nach Hause kamen, berichteten sie ihren Eltern, was sie gelernt hatten. Sie wurde jeder Schultag ein Spaß. Auch wenn sie schon mal ein paar Stunden ruhig dasitzen mussten, sie hörten stets aufmerksam zu. Ihnen wurde beigebracht, wie man Tiere an ihren Lauten erkennt.

Im Winter hinterlassen Fuchs, Hase, Eichhörnchen, Rhe und Hirsche im Schnee unterschiedliche Fährten, da jedes dieser Tiere einen speziellen Gang hat. Murmeltiere, Hamster, Igel, Siebenschläfer und Fledermäuse halten Winterschlaf. Doch ab und zu, wenn sie Körpertemperatur sehr niedrig wird, wachen sie in der kalten Jahreszeit auf und gehen auf Nahrungssuche.

Ja, da die Zwerge nur im Wald leben, mussten sie auf jeder Art von Gefahr hingewiesen werden. Sie dürften nicht alle Beeren naschen. Ein Teil dieser Früchte sei sehr giftig. Desgleichen lernten sie zwischen essbaren und todbringenden Pilzen, wie zum Beispiel der Fliegenpilz, der an seinem roten Hut mit weißen Flecken sehr leicht zu erkenne ist, unterscheiden. Der Unterricht war faszinierend, weil der Lehrer ihre Neugier weckte. In ihrer schulfreien Zeit und bei schönem Wetter trieben sie Schabernack mit ihren Freunden. Manches mal spazierte ein Igel über den unebenen Waldboden und die kleinen Naseweise krochen hinter ihm her. Er witterte Gefahr, rollte sich zusammen und zeigte nur noch seine Stacheln. Die Zwergenkinder ließen daher sehr schnell von ihm ab und tobten weiter durch den Wald.

Alle vier Jahre im Frühjahr freuten sie sich auf die Maikäfer, die sie einfingen und dann wieder krabbeln und fortfliegen ließen.

Vorbereitungen für den Winter und das Unwetter.

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Vorbereitungen für den Winter und das Unwetter

10. Folge: Vorbereitungen für den Winter und das Unwetter

Ihre Lebensbedingungen waren sehr bescheiden. Dennoch waren die Zwergenkinder mit ihrem Dasein zufrieden. Sie bastelten aus Weiden kleine Pfeile und Bogen und wetteiferten, wie weit jeder schießen konnte. Nur durfte dabei kein Mensch oder Tier dazwischen geraten. Einmal passierte es, dass Leute durch den Wald spazierten und plötzlich einen Stich im Bein verspürten. Leider konnten sie nicht feststellen, was die Ursache war. Sie meinten, irgendein Insekt hätte sie gestochen. Es war das gleiche Gefühl, als hätten sie sich versehentlich mit einer Nadel gepickt. Den Leuten wurde das
ein bisschen unheimlich, weil sie niemanden sahen. Also verließen sie sehr bald diese Stelle. Die kleinen Zwilche hatten das von ihrem Versteck aus beobachtet. Eigentlich brauchten sie sich nicht zu verbergen, denn sie hatten alle ihre Tarnkappen auf, mit denen sie sich vorher unsichtbar gemacht hatten. Ein wenig waren sie erschrocken, weil ihnen beigebracht wurde, keinem Leid zuzufügen.

Es war Herbst geworden. Die Familie Wichtel und die anderen Zwerge bereiteten sich auf die kalte Jahreszeit vor. Sie verkrochen sich in ihre Höhlen. Dort hatten sie kleine Feuerstellen errichtet, um sich daran zu erwärmen und gleichzeitig ihre Nahrung, sowie den Kräutertee, der vor allen Dingen vor Erkältungskrankheiten schützen sollte, zuzubereiten. Doch blieb es nicht aus, das Klein-Miti plötzlich erkrankte. Hohes Fieber befiel ihn, sein Körper wurde ganz heiß. Seine Eltern packten ihn in erwärmten Laub ein, das sie eiligst im Wald gesammelt hatten und gaben ihm viel heißen Tee zu trinken. Das tat ihm so gut, dass er schon nach ein paar Tagen unternehmungslustig wurde. Trotz und alle dem, Miti überschätzte sich ein wenig. Seine Eltern ließen ihn noch nicht zu seinen Spielkameraden. Erst als er sich richtig erholt hatte, war Miti nicht mehr zu bremsen. Er stürmte in den Wald und sein Gesichtchen strahlte als er seine Freunde sah. Besonders Titi, mit dem er am liebsten durch die Gegend streifte, hatte es ihm angetan.

Nicht weit von ihrer Behausung entdeckten sie einen Waldteich. So etwas hatten sie noch nie gesehen. Hier sprangen langbeinige Wasserfrösche herum und ruhten sich auf großen Teichrosenblättern, die auf der Wasseroberfläche schwammen, aus. Sie machten mit ihrem Gequake einen Höllenlärm. Im Teich schwammen große und kleine prächtige Fische. Miti und Titi waren fasziniert und erstaunt. Ein „upupup“ holte die Zwergenkinder auf die Erde zurück. Es war der Ruf eine Wiedehopfs. Darüber vergaßen die beiden Zwilche fast, dass sie noch vor Dunkelheit zu Hause sein mussten. In letzter Minute eilten sie heim und erzählten ohne Unterbrechung, was sie gesehen hatten. Die Eltern hatten große Mühe, die aufgeregten Kinder zu beruhigen. Vater Wichtel erklärte ihnen, welche Bedeutung die Natur habe.

„Selbst wenn ein Wasservogel oder ein anderes Tier einen Fisch als Nahrung für sich und seine Jungen fängt, wird nur jenes Tier erwischt, dass nicht so schnell ist und damit bleiben gesunde Tiere am Leben. Das wäre nicht mit Krieg oder Streit gleichzusetzen“, fügte er hinzu. Die übermüdeten kleinen Zwilche schliefen nach dem Abendbrot sofort ein. Mutter Wichtel legte sie vorsichtig auf das aufgeschichtete Laub und überließ sie ihren Träumen. Am nächsten Tag, als sie aufwachten, regnete es in Strömen. Kleine Bäche ergossen sich über den bemoosten Waldboden und alle Familien in der Umgebung hatten unheimlich zu tun. Sie gruben in Windeseile tiefe Gräben und leiteten das Wasser in eine andere Richtung. Vor ihren Höhlen bauten sie klein Erdwälle.

Gegen Mittag hörte endlich das Unwetter auf. Die Sonne schickte ihre herbstlich warmen Strahlen auf die Erde. Kleine Nebelschwaden entstanden über dem feuchten Waldboden. Den kleinen Höhlenbewohnern war jegliche Sicht versperrt. Sie schlüpften vorsichtig in ihre Erdlöcher zurück und warteten geduldig bis der feuchte Dunst sich verzogen hatte. Die Überschwemmung hatte verheerende Folgen für die Knollennasen. Die Pflanzen, von denen sie sich hauptsächlich ernährten, die Kräuter für den Tee, wurden hinweg geschwemmt. Viele Bäume kippten der Länge nach um, weil der Boden durch die Nässe aufgeweicht war. Etliche Tiere, die aus ihren Unterschlüpfen geeilt waren um sich zu retten, kamen durch abstürzende Äste ums Leben. Es sah aus, als sei dieser Ort durch Krieg verwüstet worden. Die Zwerge wussten nicht mehr von was sie leben sollten. Sie hatten Hunger und machten sich große Sorgen um ihren Nachwuchs. Den Tieren erging es ebenso. Zu allem Übel wurde es dann noch sehr kalt. Es schneite. Klirrender Frost verwandelte den Erdboden in eine Rutschbahn. Die Menschen in den nahe gelegenen Dörfern beobachteten wie die armen Tiere aus dem Wald getrottet kamen und nach Nahrung suchten. Sie bauten Futterkrippen, stellten diese am Waldesrand auf und gaben Heu, Kastanien, Rüben und Äpfel hinein. Selbstverständlich bekamen die Wichtels ihren Anteil, denn die Rehe, Hirsche, Hasen und all die anderen Tiere wollten nicht eigennützig sein.

In jenem Jahr war der Winter sehr hartnäckig, denn es schneite immer weiter. Bis in das nächste Frühjahr mussten alle Waldbewohner und auch die Bauern geduldig warten. Da alle sich in der gleichen Lage befanden, ermutigte man sich gegenseitig, selbst wenn ab und zu der Magen knurrte. „Bald wird das Wetter besser werden“, sagten sie sich. Mit dieser Zuversicht überstand Mensch und Tier die harte Zeit. Die Krieger zogen weiter in andere Länder und schafften dort Unfriede.

Die Anwohner fühlten sich in ihnen hintergangen, wollten auch nichts mehr mit ihnen zu tun haben und hatten letztendlich Ruhe und Frieden. Die in der Tropfsteinhöhle versteckte Beute bestand aus Geld und Gold und konnte an die Leute zurückgegeben werden. Der Höhlenmensch blieb weiterhin in seiner unterirdischen Behausung bis an sein Lebensende. Da die Zwerge den bösen, schrecklichen Menschen nicht klar machen konnten, dass Gewalt keinen Erfolg bringt, verschwanden sie über alle Berge und ließen die Menschen allein in ihrem Wahn.

Ein Wiedersehen mit den Wichtels.

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