Die Geschichte von kleinen Waldmenschen

Fantasygeschichte von Renate Bertram (* 09.05.1935 - † 04.10.2018)

Ein Wiedersehen mit den Wichtels

11. Folge: Ein Wiedersehen mit den Wichtels

Wo sind unsere kleinen Freunde? All die großen und kleinen Leute waren zutiefst betrübt über das Verschwinden der kleinen Racker. Warum sie sich so überraschend davon gemacht haben, vermögen wir nur zu ahnen. Wie wir schon erfahren haben, waren sie bestürzt über die menschlichen Untaten. Die gesamten Zwerge und ihr Nachwuchs zogen mit Sack und Pack von dannen, wie wir später erfahren werden, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Aber wo sind sie hin? Sollte man, um sie zu finden, den ganzen Wald durchpflügen? Nein, das geht nicht. Das gäbe Durcheinander im gesamten Pflanzenreich und ebenso im Tierreich. In der aufgewühlten Erde hätten die Bäume keinen Halt mehr und kippten um. Die kleinen Pflänzchen am Boden wie Moos, Pilze oder Buschwindröschen, Leberblümchen, um nur einige zu nennen, würden mit ihren Würzelchen aus dem Boden gerissen und verkümmern. Zu erwähnen sind außerdem die vielen Kleinstlebewesen, die im Waldboden leben und rastlos das Abgestorbene zersetzen. Es gehört eben hier alles zusammen. Nur schade, dass nicht immer auf das Zusammenspiel der Natur Rücksicht genommen wird. Da sie macht- und geldgierig sind, beuten die argen Menschen die Erde aus und bringen das Gleichgewicht des Systems durcheinander bzw. bewirken zumindest Einflüsse, die allem Leben auf der Welt dauerhaft schadet. Waffeneinsätze spielen dabei eine große Rolle. Das sind auch Gründe, warum Forscher Lebensmöglichkeiten auf anderen Planeten suchen, um diese abermals auszunutzen. Wie anfangs bereits angedeutet, wollten die kleinen Waldbewohner nichts mehr mit den Streithähnen und Besserwissern zu tun haben. Auf jeden Fall werden sie eine Behausung im dichten Unterholz gefunden haben. Sie werden sich dort aufhalten, wo sie Ruhe und Frieden haben.

Für ihre Reise brachten sie nichts einzupacken und mitzunehmen, weil die freie Natur ihr Lebenselement ist und was sie zum Überleben benötigen, finden sie vielerorts. Ihre lustigen Kleidungsstücke bestehen aus Blättchen und Ästchen. Werden sie durch Hindernisse wie Dornenbüsche, an denen sie vorbei streifen, zerrissen, ist das nicht schlimm. Schnell ist ein neues Kleidungsstück und Hütchen angefertigt. Da die Erde immer enger und komplizierter wird, können sich unsere Knirpse nie vollkommen abschirmen. Es sei denn sie machen sich durch ihre Tarnkappen unsichtbar. So kam es, dass sie doch ein bisschen leichtsinnig und offen ihre neue Heimat durchstreiften und von einem Jäger gesichtet wurden. Er hörte ein merkwürdiges Rascheln im Unterholz. Seine Neugier war so groß, dass er sich auf den Boden legte und ausfindig machen wollte, wer oder was ein solches Geräusch verursachte.

„Ei, was sahen da seine Augen? Da waren ja die Wichtels.“ Der Jäger war so verdutzt, dass er sie noch eine Weile beobachtete. Er war über ihre Ausgeglichenheit erstaunt und überraschend war ihr ruhiges Verhalten zu den Tieren im Wald, die sie deshalb schnell lieb gewonnen hatten. Wie üblich spielten die Kleinen den lieben langen Tag und ihr Vorwitz kannte keine Grenzen. Den Jäger hatten die Zwerge nicht bemerkt. Unbekümmert eilten sie unter dem Gebüsch hin und her und sammelten alles war ihr Bäuchlein begehrte. Sie plapperten munter drauf los und lachten über merkwürdige Ereignisse, die sie während der Reise erlebt hatten. Sie hatten eine mühselige und teilweise beschwerliche Tour hinter sich. Zeitweise ging es an die Grenzen ihrer körperlichen Belastung, da sie nur als Anhalter unterwegs waren.

Die Reisebeschreibung.

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Die Reisebeschreibung

12. Folge: Die Reisebeschreibung

Die Entscheidung ihrem Wirkungskreis ein für allemal den Rücken zu kehren war nicht leicht. Aber ein Tage später einigte man sich den Ort zu wählen, der den Lebensbedingungen der Zwerge entspricht. Also, warum sollten die Zwerge sich Gedanken machen, einen Platz zu bestimmten, den sie überhaupt nicht kennen und stellten sich auf eine spannende Reise in ein unbekanntes Land ein. Sie dachten sich dort niederzulassen, wo es ihnen gefällt. Für die große Fahrt trafen sich die Wichtels Vorbereitungen, die nicht ganz ungewöhnlich waren. Es war Ende Mai. Die häufigen stürmischen Winde, die am Anfang jeden Jahres durch die Lande fegen, ließen nach und die Luft wurde wärmer und weicher.

Jetzt war der richtige Zeitpunkt der Abreise gekommen. Sie suchten viele kleine und große Blätter und dazu dünne Zweiglein zum Zusammenstecken für ihre Mobile. Der Sitz und die Rückenlehne entstanden durch enges Aneinanderreihen von Quer- und Längszweigen. Man muss sich diese Arbeitsmethode wie beim Stopfen vorstellen: Einmal über dem Zweig, einmal unter dem Zweig. Zwei bis drei überstehende feste kleine Ästchen wurden wie bei einem Tragehenkel eines Korbes zusammengefügt. Die Rückenlehne hatten die kleinen Bastler um 90°hochgeklappt und gestützt und mit den Ästchen zusammengesteckt. Die niedlichen Sesselchen polsterten sie mit Blättern aus. Zum Schutz vor Regen war über dem Henkel ein Blatt befestigt worden. Als der erste Sommerwind aufkam, hopsten alle Wichtels, die Kleinen auf dem Rücken, in diese selbst gefertigten winzigen Flugfahrzeuge.

Zunächst verlief alles nach ihren Vorstellungen. Der Wind erfasste ganz sanft ihre kleinen Mobile und langsam gewannen sie an Höhe. Sie flogen gemächlich durch die Lüfte und konnten von oben beobachteten was da unten kreucht und fleucht. Das klappte eine Zeitlang prima. Allmählich trat Windstille ein und alle Zwerge sanken mit ihren zierlichen Mobilen auf den Erdboden einer Lichtung. Durch das etwas zu harte Aufsetzen wurden sie beschädigt. Die Arbeit von Stunden war zerstört.

In der Ferne braute sich ein Gewitter zusammen und kam langsam näher. Der Himmel wurde grau und schwarz. Plötzlich, wie aus Eimern, ergoss sich der Regen. Die Zwerge wurden nass bis auf die Haut. Da blieb ihnen nicht anderes übrig als ihre nassen Blätter vom Körper zu nehmen und durch
trockene zu ersetzen. Zu allem Unglück zog ein Rudel Wölfe an dem Platz vorbei, wo sie sich versammelt hatten. Sie versteckten sich hinter einem mannshohen Armeisenhügel. Auf der anderen Seite entdeckten sie eine unbewohnte Höhle. Die Wichtels krochen auf allen Vieren in diese Senke und waren so für diese hungrigen Mäuler verschwunden. Allmählich hörte der Regen auf. Inzwischen machten sie sich zurecht und konnten sie wieder ins Freie. Am Firmament kreiste ein Bussard und kippte zum Wald ab aus dem jetzt ein klangvolles „klüh“ eines Schwarzspechtes herüber schallte. Die Zwerge schauten umher und standen da wie die Männlein im Walde.

Derzeit kam ein Hase daher gehoppelt, zeigend seine vorderen doppelten Schneidezähne. Sie fragten ihn, warum er sie so anschaute. Er antwortete: „Ich sehe, dass ihr ein bisschen verzweifelt seid. Was sucht ihr?“ „Ja“, entgegneten die Zwerge, „wir sind auf der Durchreise und suchen eine
Möglichkeit ohne körperliche Anstrengung weiter zukommen.“ Der Hase meinte, er wüsste schon wie. Er sei eine große Hasenfamilie und diese könnte alle Wichtels rittlings auf dem Rücken nehmen und ein Stückchen des Weges weiterbringen. So geschah es dann. Nur das Reiten auf den lieben Häslein war nicht angenehm. Die kleinen Männchen und Frauchen samt Kinder wurden hin und her geschüttelt. Die überhöhten Hinterbeine und die kurzen Vorderbeine der Hasen ergaben keine gleichmäßigen Ritt. Einmal purzelten die Reiter auf dem Hasenrücken nach hinten und einmal nach vorn. Ihnen wurde ganz übel, so das sie diese Art der Fortbewegung abbrechen mussten. Sie verabschiedeten sich voneinander und dachten nach wie sie und mit was sie die Reise fortsetzen könnten. In diesem Augenblick erschien Meister Reineke auf der Bildfläche. Er lachte als er die Zwerge sah. „Wo wollt Ihr hin?“ fragte der schlaue Rotfuchs mit einem frechen Grinsen. Das Wichtelmännchen witterte Gefahr und versuchte diese abzuwenden. Es erwiderte: „Wir wollen weit weg von den bösen Menschen. Es ist uns unmöglich mit unseren kurzen Beinchen eine weite Strecke zu laufen. Vielleicht kannst Du uns helfen?

Das Problem der Weiterreise und der Zwischenaufenthalt am Teich.

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Das Problem der Weiterreise und der Zwischenaufenthalt am Teich

13. Folge: Das Problem der Weiterreise und der Zwischenaufenthalt am Teich

Der Fuchs meinte, wenn er bei seinen Angehörigen nachfrage, würden sie bestimmt nicht ablehnen, die Zwerge ein paar Kilometer auf ihre Rücken zu nehmen, um sie ihrem noch unbekannten Ziel näher zu bringen. Es klappte wie vereinbart. Mit einfallender Dämmerung beendeten die Füchse die Tour. Die Wichtelleute waren so erschöpft, dass sie in eine leere Höhle krochen, Pilze und saftige Beeren sich einverleibten. Danach legten sie sich in und versanken in einen tiefen Schlaf. Sie hörten nicht mehr die Fledermäuse, die nach nächtlichen Faltern jagten. Selbst das stolze Rotwild, das vorüberzog, bemerkten sie nicht, ebenso das Schnürren des jagenden Ziegenmelkers (Vogel) in der Nacht vernahmen sie nicht mehr.

Bei Tagesanbruch standen unsere kleinen Knollennasen auf. Aus den am Vorabend gesammelten Kräutern brauten sie sich einen schmackhaften Tee. Das Wasser kochten sie auf offenem Feuer in einem niedlichen Tontopf, den sie für diesen Zweck mitgenommen hatten. Nach dem sie ihren Hunger und Durst gestillt hatten, beratschlagten sie wie die Reise fortgesetzt werden könne. Wer würde sie darin unterstützen? Um diese Zeit brüteten viele Tiere oder sie hatten ihre Jungen zu versorgen. Könnte da nicht der Kuckuck, der ja seine Eier in Singvögelnester legt und mit Aufzucht nichts am Hut hat, die Wichtels weiterbringen? Da entgegnete einer der Wichtels: „Das ist sinnlos ihn zu fragen, da dieser Vogel ein Einzelgänger ist. Folglich können wir nicht alle zusammen auf ihm fliegen. Das nächste Tier, das ihnen über den Weg lief, war ein Eichhörnchen. Es erkundigte sich bei den Knollennasen, warum sie so in Gedanken vertieft und grüblerisch da säßen. „Ja“, entgegnete Herr Wichtel, „wir überlegen, wie unsere Reise weitergeht und halten Ausschau nach geeigneten Möglichkeiten.“ „Wo wollt ihr denn hin?“, wollte das Eichkatzerl wissen. Sie erwiderten, dass sie das Ziel im Augenblick nicht wüssten. Sie wollten auswandern. Das Eichhörnchen sagte frei heraus, es könnte ihnen nicht helfen, weil es ständig zur Nahrungssuche die Bäume hinauf und hinunter springen würde. „Frag doch mal bei den Schwalben nach. Sie sind ständig in der Luft, um nach fliegenden Insekten zu schnappen“, schlug es vor. „Nein“, meinte Herr Wichtel, „die haben ganz kurze Beine. Sie können nicht auf dem Erdboden landen, geschweige denn stehen. Ich frage mal bei der Eule nach.“ Da kam ihm in den Sinn, dass sie ein Nachtvogel ist und nur in der Dunkelheit umherstreift. Wieder einmal musste man sich vergegenwärtigen, dass es verflixt schwierig war, per Anhalter auf der Walz zu sein. Da traf er unverhofft eine von den Ringeltauben, die auf der Suche nach Beeren und allerlei Grünzeug war. Wichtelmännchen hastete direkt hin und bat um ihre Unterstützung. Sie hatte sehr viel Verständnis für sein Problem und rief darauf hin mit „Ruckediku“ alle Tauben zusammen, damit die Zwilche ihre Reise fortsetzen konnten.

Die Vögel kauerten sich auf dem Boden und die kleinen Waldleute setzten sich auf deren Rücken. Mit klatschenden Flügelschlag starteten die Tauben und rasant erreichten sie eine schwindelige Höhe. Der Flug war herrlich. Es gab so viel zu sehen. Amsel, Finken und Stare zogen an ihnen vorüber. Die Ringeltauben brachten die Zwerge bis zu einem am Waldrand gelegenen, riesengroßen Teich. Hier verabschiedeten sie sich voneinander.

Auf dem Rückweg zu ihren Nestern unterbrachen die Tauben öfters ihren Flug und suchten auf dem Boden nach Sämereien. Nun, allen Wichtels gefiel es an dieser Stelle. Hier bleiben sie einige Zeit um einmal zu resten und zum anderen die schöne Gegend näher zu erforschen. Ihren gewohnten Tagesablauf hielten sie bei. Natürlich hinterließen die Knollennasen Spuren, die einem Förster komisch vorkamen.

Der Waldboden war ein bisschen zertreten und ungewöhnlich viele Blätter und Zweige machten ihn stutzig. Anstatt dort ein wenig zu verweilen und zu gucken, ging er weiter und meldete dies seiner Behörde. Ein Beamter erschien und ordnete ohne weitere Prüfung an, das Gebiet abzusperren und Fallen aufzustellen. Die Zwerge haben ein feines Gehör und so war es ihnen möglich das Gespräch der beiden Männer in ihrem Versteck zu belauschen. Bevor das Terrain markiert und umzäunt wurde, schlüpften sie unbemerkt unter dem Gebüsch her und eilten auf die andere Seite des Teichs und gelangten auf diese Weise aus den Fängen der unbeliebten Obrigkeit.

Entdeckung einer neuen Umgebung und eine Fahrt über den Teich.

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Entdeckung einer neuen Umgebung und eine Fahrt über den Teich

14. Folge: Entdeckung einer neuen Umgebung und eine Fahrt über den Teich

Nachdem die Zwergenfamilien sich vergewissert hatten, dass sie von diesen Männern nicht mehr verfolgt werden konnten, beschlossen sie die wunderschöne Umgebung auszukundschaften. Diese Landschaft war ein reines Naturparadies. Allein die Pflanzenwelt bot eine Menge Samen und Früchte. Die herrlichen Teichrosen mit ihren großen Blättern, das aus dem Teich ragende Schilf, wo der Teichrohrsänger sein Brutrevier hat, die riesengroßen angrenzenden Weiden und der Wald im Hintergrund gab der Landschaft ein bilderbuchartiges Aussehen. Für die Zwerge eröffnete sich eine große Welt der Abenteuer. Sie wollten zuerst den Teich ergründen. Vom Ufer aus betrachteten sie die Wildenten mit ihren Jungen, ihre Gewohnheiten und merkten, dass sie zutraulich waren, sogar zu ihnen hin schwammen und auf die Wiese watschelten. Die Wichtels lockten sie näher an sich heran und baten umd eine Rundfahrt über den Teich. Das Federkleid der Stockenten – wie man sie nennt – ist wasserabweisend und garantiert den kleinen Waldbewohnern einen trockenen Streifzug quer über den Weiher. Deshalb kletterten sie ohne Bedenken auf die Entenrücken.

Der Ausflug machte allen einen riesigen Spaß. Ein solches spannendes Ereignis ließ die winzigen Zwergenherzen höher schlagen. Sogar die fische freuten sich über den so seltsamen Besuch. Sie streckten ihre Köpfchen aus dem Wasser und machten einen Hechtsprung, um die kleinen Leutchen besser zu sehen. Die Wichtels schauten den Fischen beim Schwimmen zu und stellten fest, dass auch Pflanzen unter der Wasseroberfläche ihren Standort haben und sich da verbreiten. Doch plötzlich fiel ein Schuss.

Die Enten schossen wie Pfeile aus dem Wasser und flogen mit allen Zwergen davon. Eine Ente wurde getroffen und klatschte auf den Teich unweit des Ufers. Zum Glück hatte sie keinen von den Zwilchen auf ihrem Rücken genommen, weil sie noch nicht kräftig genug war. Mit einer langen Stange holte ein Bursche die Ente an den Uferrand und fischte sie heraus. Seine Flinte steckte er eilends in seinen Rucksack und den erlegten Vogel in eine Plastiktüte. Dennoch der Kerl konnte nicht schnell genug das Weite suchen. Da packte ihn von hinten ein Polizist und schubste ihn mit Gewalt in einen Polizeiwagen. Die Zwerge und Enten hatten sich eine Wiese hinter dem Schilf niedergelassen und konnten von dort aus die Geschehnisse beobachten.

„Aha“, sagten sie, „das wollte wieder ein Wilderer seine Künste zeigen und einen leckeren Entenbraten genießen. Wie sind mit dem Schrecken davon gekommen.“ Danach den Ausflug auf dem Teich fortsetzen war für alle Beteiligten, besonders auf für die Zwerge zu riskant, obwohl das sommerliche Wetter zu einer weiteren Spazierfahrt geradezu geeignet gewesen wäre. Die Enten schnatterten noch ein bisschen mit den Knollennasen und schwammen später zu ihren eigenen Schutz eine Weile im Schilf herum. Die Zwerge entspannten sich, in dem sie sich zwischen dem hohen Gras am Waldesrand hinlegten. Im Grunde genommen brauchten sie sich in dieser neuen Umgebung nicht fürchten, da es eine einsame Gegend war. Ihre Tarnkappen hatten sie in ihren unterirdischen Behausungen zurückgelassen. Der Krafttrank sollte erst später zubereitet werden.

Die Zwergenkinder hatten Langeweile und nur Däumchen drehen ödete sie an. Folglich schlug Miti vor, einen Streifzug durch die nähere Umgebung zu machen. Miti und sein Freund Titi waren sozusagen die Anführer. Für alles hatte die kleine Bande ein Auge. Krabbelkäfer, Insekten, denen sie nachspürten, mussten erforscht werden. Das ging soweit, dass die kleinen Racker in einem Wespennest herumstocherten. Owei, die Wespen wurden wild, flogen heraus und versuchten so ihre Waben zu verteidigen. Die Kinder rannten aus Furcht , gestochen zu werden, weg so schnell sie konnten und verloren dabei die Orientierung im Wald.

Die unbedachte Flucht vor den Wespen und die gute Fee.

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Die unbedachte Flucht vor den Wespen und die gute Fee

15. Folge: Die unbedachte Flucht vor den Wespen und die gute Fee

Als sie sich vor den Wespen sicher fühlten, machten die Zwergenkinder halt, um Atem zu schöpfen. Doch dieser ungeplante Zwischenfall wurde für sie zum Verhängnis, da sie in die falsche Richtung gerannt waren. Keiner von ihnen war momentan in der Lage zu sagen: Hier geht’s lang. Miti und Titi versuchten die Freunde zu beruhigen. Beide wollten ihnen klar machen, dass es einen Ausweg geben wird. Einige der Kleinen hatten solche Angst und fingen an zu weinen. Hinzu kam an diesem Junitag die Gluthitze und alle, ob Groß oder Klein, litten unter ihr, denn zu diesem Zeitpunkt hatte die Sonne ihren höchsten Stand erreicht und schickte erbarmungslos ihre glühenden Strahlen auf die Erde. Miti meinte: „Wir sind nur durch unser unbedachtes Handeln hier an dieser Lichtung angekommen. Die Sonne steht jetzt genau im Süden und um unseren Ausgangspunkt zu erreichen, müssen wir in entgegengesetzter Richtung gehen. Vor allen Dingen werden wir uns erst mal in den Schatten der Farne begeben und etwas ausruhen.“

Die Zwergenkinder suchten ein paar Beeren und labten sich an einer Quelle, die in ihrer Nähe sprudelte. Eine Stunde später zogen sie vergnügt weiter. Leider hatte sich Miti vertan. Anstatt die vorgenommene Richtung einzuhalten, stapften sie immer tiefer in den dunklen Wald hinein. Allmählich versank die Sonne hinter den Bergen. Es wurde Nacht. Die kleine, aufgeregte Gruppe war wegen der eingetretenen Finsternis nicht mehr imstande ihren Weg fortzusetzen und so hockten sie sich auf den Boden vor einem Erdwall nieder, um sich vor einer möglichen Gefahr zu schützen. Sie rückten ganz dicht zusammen. Dies gab ihnen das Gefühl nicht alleine zu sein. Das ständige Bemühen den richten Weg zu finden, die lange anstrengende Wanderung hatte die Rasselbande so mitgenommen, dass sie die Augen nicht mehr aufhalten konnten und im Sitzen einschliefen.

Mitten in der Nacht wurden sie durch einen hellen Strahl aufgeweckt und erschraken als sie eine große Gestalt im Lichterglanz erblickten. Auf dem Kopf trug sie eine kleine mit bunten Edelsteinen besetzte Krone. Ihre langen, blonden Haare hatte sie zu mehreren Zöpfen geflochten und mit goldenen Haarspangen zusammengehalten. Das lange blauseidene Kleid, das sie an hatte, war mit weißen Sternchen übersät und das gab ihr ein engelhaftes Aussehen. Sie sprach zu den Zwergenkinder: Seid nicht bange, ich bin die gute Fee, die nicht weit von hier in einem Wolkenschloss wohnt und erscheine nur, wenn es sehr dunkel ist um Menschen und Tieren zu helfen, die sich des nachts im Wald verirrt haben. Nun, da ihr Euch verlaufen habt, will ich Euch ebenfalls den richtigen Weg zeigen. Ihr müsst jetzt aufstehen und mit mir gehen. Bis zum Morgengrauen habe ich Zeit Euch zu führen. Aber so bald es hell wird, verblasse ich und niemand kann mich mehr erkennen. So gingen sie gemeinsam mit der Fee durch den Wald bis sie an einer Kreuzung kamen, von wo aus die Kleinen in die Irre gelaufen waren. Sie erkannten den Platz, an dem sie gespielt hatten und wussten jetzt, dass sie ihren Wichtelleuten ganz nah waren. Als sie sich umdrehten und der guten Fee für spontane Hilfe danken wollten, war diese verschwunden. Wahrscheinlich war sie vor der aufziehenden Morgenröte geflohen. Da flitzten die Wichtelkinder so schnell sie konnten zu ihren Lieben, die schon sorgenvoll auf sie warteten. Voller Freude fiel man sich in die Arme, trank den selbst gebrauten Tee und vertilgte dazu ganz heimlich und ausnahmsweise Vogeleier.

Die gefeierte Wiedersehensfreude und die neue Behausung.

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