Tag-Archive for » Abschied «

Der Abschied

55. Folge: Der Abschied

Sie hämmerten und klopften was das Zeug hielt. Mit Lötkolben wurden Teile, die auseinander gebrochen waren, zusammen geschweißt. Ab und zu flogen kleine Metallteilchen aus den offen stehenden Luken, die sich sofort auflösten, sobald sie mit dem irdischen Boden in Berührung kamen. Ihre Raumanzüge waren aus silbrig glänzendem, weichem Material hergestellt, so dass diese beim Arbeiten kein Hindernis bildeten.

Während die Zwerge gespannt dem zielbewussten Treiben zuschauten, schlich ein Wurzelmännchen unter den verwelkten braunen Blättern her. Das knorrige Kerlchen war sehr vorwitzig und kümmerte sich, wie sein Verwandter im Garten, um alles, was in seinem Umkreis passierte. Max und Lisa hatten ein Rascheln im trockenem Laub wahrgenommen, weil sie abseits standen und blickten in die Richtung, wo das Geräusch her kam. „Pst, pst“, raunte ihnen das Wurzelmännchen zu, „was ist hier los?, wer ist das?“ „Wir erklären dir das später“, antwortete Lisa.

Inzwischen waren die Arbeiten am UFO beendet und das Signal zum Abfliegen wurde gegeben. Die Aliens kletterten in das Flugobjekt. Die Motoren surrten. Alsbald begann es sich vom Boden abzuheben und in die Luft zu steigen. Die Zwerge standen am Waldesrand und schauten dem UFO nach bis es unter dem Horizont verschwunden war. Ja, ein paar Kullertränchen rollten über ihre geröteten Wangen. Insgeheim hofften die Wichtels auf ein Wiedersehen mit den Alien. Wurzelmännchen sah ihre traurigen Augen. Ihm war bewusst, dass er sie in irgendeiner Form ablenken musste. So rief er Frösche, Füchse, Hasen, Rehe, Vögel, also alle Tiere, die im Wald und auf der Wiese lebten, herbei. Sie kamen gerne und bekundeten ihre Verbundenheit mit den Zwergen. Die Nachtigall eröffnete mit einem wohlklingendem ‚tschuk-tschuk-tschuk‘ den musikalischen Reigen. Hinzu gesellten sich die Amseln, Singdrosseln, Kohl-, Blau- und Tannenmeisen, Zilpzalp, Kuckuck und Rotschwänzchen. Sogar die Nestplünderer Elster und Eichelhäher waren dabei und gaben mit ihren ‚tschak-tschak-tschak‘ und piäh-Rufen den Takt an. Sie tirilierten mit solcher Inbrunst, dass Hoch- und Niederwild anfing abwechselnd das rechte, dann das linke Vorderbein im Takt zu heben und zu senken. Ganz kurz taten sie es mit den Hinterläufen, aber nur bei Sechzehntel-Pausen. Einer der Hasen, er nannte sich Meister Lampe, hopste herum wie ein Plumpsack und die Füchse gaben dumpfe Laute von sich. Was taten die Frösche? Sie blähten sich auf und füllten mit ihrem Gequake die musikalischen Pausen aus.

Die Zwerge waren so überrascht. Mit einer solchen Beliebtheit ihrerseits hatten sie nicht gerechnet. Es war Balsam auf ihre traurigen Seelen. Max und Lisa fingen an, sich im Takt der Musik zu bewegen und ließen nicht locker bis alle Wichtels mit machten. Sie reichten sich die Hände, um einen Reigen aufzuführen. Es herrschte eine fröhliche Stimmung. Alle waren so vergnügt, dass sie erst nach einiger Zeit bemerkten, dass Wurzelmännchen verschwunden war. Aber wo war es hin gekommen? Hin und wieder schreckten zwar ächzende Rufe einige der trällernden Sänger auf, aber sie ließen sich nicht weiter stören – außer Gitti und Miti. Sie überlegten nicht lange und flitzten sofort zu der Stelle, wo das Wehklagen herkam. Beide fanden das Wurzelmännchen in einem Graben liegend. „Wie bist du den hier hin gekommen?“, fragte Gitti. „Das weiß ich nicht richtig. Kinder haben mit mir Fußball gespielt und ich konnte mich nicht gegen die harten Tritte wehren. Es tat sehr weh.“ „Jetzt lass dich einmal genau anschauen“, sagte Miti, ich sehe, etwas Rinde hat sich abgelöst, das ist nicht weiter schlimm. Wir rufen den Höhlengeist Marabuli. Wir sind nicht stark genug, dich aus der misslichen Lage zu befreien“, und riefen mit gewaltiger Stimme: „Marabuli, Marabuli, Marabuli. Hui, wie ein wirbelnder Windstoß rauschte der Geist durch den Wald. „Was habt ihr schon wieder, ihr Naseweise“, fragte er. „Bitte, bitte, hole das Wurzelmännchen aus dem Graben. Blase aber ganz vorsichtig, damit es nicht zu weit weg rollt.“ „Ja, das mache ich, aber nur für Euch“, antwortete der Waldgeist. Behutsam pustete er den Wurzelteil an und schon kullerte er aus dem Graben. „Danke“, schrien alle drei. Doch ihr Schrei verhallte in dem aufgetretenen, ohrenbetäubenden Luftzug, den Marabuli bei seinem Entschwinden auslöste.
Im Dämmerlicht des Abends löste sich der Singkreis der Tiere auf.

Die Zwerge geraten in eine lebensbedrohliche Situation.

Der große Abschied und der grässliche Geist aus der Flasche

53. Folge: Der große Abschied und der grässliche Geist aus der Flasche

Die beiden Frauen hielten sich nicht lange auf, da sie noch vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein wollten. Da erhob sich Herr Wichtel, reichte den Frauen die Hand und sagte: „Liebe Susi, liebe Mutter, lieber Gärtner, mit dem ersten Frühstrahl werden wir morgen aufstehen und weiter ziehen. Wir haben hier eine erholsame Zeit verbracht und viel Spaß gehabt. Gern würden wir Euch mitnehmen. Aber unsere Welt ist nicht Eure Welt. Deshalb werden wir auf Fußspitzen weg gehen, so wie wir hier her gekommen sind. Wir werden Euch in bester Erinnerung behalten, das versprechen wir. Vielleicht treffen wir uns irgendwo, irgendwann noch einmal. Das wollen wir aber dem Zufall überlassen.“

In den frühen Morgenstunden brachen die kleinen Leutchen auf. Hase Langohr, ein stolzer Hirsch und ein Eichhörnchen begleiteten die Wichtels bis zu einer großen feuchten Aue, wo sich 20 bis 30 Störche versammelt hatten, um gemeinsam den Flug ins Winterquartier anzutreten. Ihr lautes Geklapper war weithin zu hören als sollten Ratten, Mäuse, Frösche und anderes Getier aus ihren Schlupflöchern gelockt werden. Erfreut über den Anblick so vieler Vögel, liefen sie zu ihnen hin und baten darum, mitgenommen zu werden. „Klapper di klapp“, antwortete einer von der Familie Adebar, „wir fliegen nach Südafrika, nicht zum Nordpol. Dort ist es uns zu kalt.“ Enttäuscht zogen sich die Zwerge in ihren vertrauten Wirkungskreis, dem Wald, zurück und stopften aus Frust Beeren und Pilze in sich hinein. „So geht das aber nicht“, schalt das Zwergenoberhaupt, „das Wort ‚aufgeben‘ kennen wir Zwerge nicht. Wir suchen nach Möglichkeiten wie wir unsere Reise fortsetzen können und wenn wir vorab ein Füßchen vor das andere setzen müssen.“ Besonders die Kleinen waren von dieser Aussicht nicht begeistert und machten Gesichter wie 14 Tage Regenwetter, denn zum Laufen hatte keiner von ihnen so rechte Lust.

„Seht mal, da haben doch Spaziergänger eine Wasserflasche in das Gebüsch geworfen“, rief Maxi, „muss man auf diese Art und Weise seinen Unrat los werden?“ und gab ihr einen Schubs. Dadurch öffnete sich der Verschluss der Flasche. Weißer dichter Qualm stieg kräuselnd in die Höhe und nahm eine menschenähnliche Gestalt an. Mit knarrender Stimme gab die gespenstige Erscheinung schlimme Worte von sich und drohte, alle Zwerge in Stechmücken zu verwandeln, wenn sie nicht aufhörten, dauernd über den Frieden in der Welt zu schwatzen. „Du versuchst uns einzuschüchtern“, widersprach ihm Herr Wichtel, „wir werden weiter für die Gerechtigkeit kämpfen, woran auch du nichts ändern wirst.“ Inzwischen gab Herr Wichtel seinem Sohn einen leisen Hinweis, dass er sich mit dem Höhlengeist Marabuli, der über dieses Terrain herrscht, in Verbindung setzen solle. Dieser möge ihm sagen, wie man den gefährlichen Geist wieder in die Flasche bekäme. Miti verschwand in einem unterirdischen Gang und stieß fast mit diesem ungewöhnlich riesigen Waldwesen zusammen, weil es direkt am Eingang des Schlupfloches stand. Das Schlitzohr hatte das Streitgespräch zwischen dem Unheil drohenden Geist und den Zwergen mit angehört und kam auf folgenden Gedanken: „Ein kleines Unwetter lasse ich jetzt aufziehen. Heftiger Wind wird aufkommen, der den Flaschengeist zerfetzt. Derweil verkriecht ihr euch in einem meiner Gänge, damit ihr nicht mit weg geblasen werdet.“

Der Geist Marabuli sprach folgende drei Worte: ‚Laxa, maxa, maxa‘. Da erhob sich ein heftiger Orkan, der Bäume und Sträucher beinahe entwurzelte. Der böse Geist brüllte so fürchterlich, dass man meinen konnte, die Welt ginge unter. Seine durchsichtige Gestalt löste sich in winzige Teilchen auf und diese wurden in alle Himmelsrichtungen geweht. Danach wollte Marabuli mit einem Zauberspruch den Wirbelwind abbrechen. Er sprach ‚axam‘, also das erste Wort und da passierte etwas ganz Schreckliches: Ein Ast brach vom Baum und begrub ihn unter sich. Für kurze Zeit blieb er ohne Bewusstsein. Dann, als er wieder zu sich kam, hörte man ihn die beiden letzten Worte murmeln: ‚Axam, axal‘. In diesem Augenblick legte sich der verheerende Sturm. Nur ein frisches Lüftchen säuselte durch den herbstlichen Wald.

„Hui“, bemerkte Herr Wichtel, „endlich ist der scheußliche Sturm vorbei. Das war ein Getöse. Wie ich sehe seid ihr alle unversehrt.“ Er hatte gerade das letzte Wort ausgesprochen als ohrenbetäubendes Klirren und Krachen die Waldleutchen aufschreckte. „Was ist das schon wieder?“, fragten sich die Zwerge und suchten rasch Deckung unter dichtem Gestrüpp. Sie waren kaum in Sicherheit als schon die ersten metallenen Teile wie Geschosse durch die Gegend spritzten. Dann ein lauter Knall, der sich wie ein Aufschlag eines Flugobjektes anhörte. Gleich darauf ein weiterer Aufprall, der den Waldboden erzittern ließ. Vorsichtig schoben unsere kleinen Freunde die Zweige des Gestrüpps beiseite, um sich eine bessere Sicht zu verschaffen. Sie staunten nicht schlecht, was sich da ihrem Anblick bot: Ineinander verkeilte UFOs und verglühende Metallstücke lagen zerstreut auf den angrenzenden Wiesen und Feldern. Die Außerirdischen sprangen aus ihren Raumfahrzeugen. Sie wollten sich keiner möglichen Gefahr aussetzen, sei es durch eine Explosion oder herabstürzende Teile. Schon beim Aussteigen warfen sich Marsianer und die Alien vom Sternensystem Zeta Reticuli feindselige Blicke zu.

Die gewaltbereiten Marsianer.

Der plötzliche Abschied von den Planetariern und warum den Zwergen das Wasser so gut schmeckte

28. Folge: Der plötzliche Abschied von den Planetariern und warum den Zwergen das Wasser so gut schmeckte

„Sie scheint wie die anderen Planeten, Sterne und Monde im All zu schweben. Es sieht fast so aus als sei sie an einem unsichtbaren Faden im Himmelsraum aufgehängt worden. Dem ist nicht so. Die Erde dreht sich in 24 Stunden mit großer Geschwindigkeit um ihre eigene Achse. Durch diese Drehung entstehen Tag und Nacht und einmal im Jahr umrundet die Erdkugel die Sonne. Schaut mal ganz genau hin: Die Wüsten leuchten in hellen gelben Farben. Wir fliegen gerade darüber hinweg. Dort wo der Tropenwald sich ausgebreitet hat, zeigt die Erde ihre grüne Seite und dazwischen sehen wir blaue Stellen. Das sind die Meere, die ungefähr 71 Prozent der Erdoberfläche einnehmen. Von weitem gesehen, sieh die Erde sehr friedlich aus. Dieser Schein trügt, das wissen wir alle.“

Plötzlich ertönte auf dem Instrumentenpult ein Alarmsignal. Der Pilot drückte auf einen roten Knopf und eine aufgeregte Stimme sagte: „Kommt sofort zurück. Ihr seid in Gefahr. Feindliche UFOs haben Euch geortet und wollen angreifen. Bringt die kleinen Gäste zur Erde zurück. Fliegt dann in südwestlicher Richtung zur Galaxis.“ Die wunderbare Tour jetzt abbrechen zu müssen, tat allen leid. Die Aliens senkten das UFO auf ein dunkles Waldstück. Um nicht von weitem gesichtet zu werden, schalteten sie die Außenlampen und Innenbeleuchtung während der Landung aus, ließen aber die Antriebsmotoren laufen. Die Planetarier halfen den Wichtels beim Aussteigen. Dieses Mal war der Abschied kurz, denn die Außerirdischen mussten sich schleunigst in Sicherheit bringen. Das Wichtelvölkchen beobachtete vom Boden aus den Aufstieg und Weiterflug der Raumschiffe bis diese am Horizont verschwunden waren. Schade, dass das traumhafte Abenteuer unerwartet beendet werden musste. Wenngleich ein schmerzliches Gefühl hinsichtlich der plötzlichen Trennung auftrat, so glaubten sie an weitere Begegnung mit den Außerirdischen.

Im Augenblick hatten unsere Freunde den schnellen Abschied innerlich zu verkraften. Überdies finden ihre Mägen an zu knurren, weil sie stundenlang nichts zu sich nehmen konnten. An diesem Ort, wo die Zwilche abgesetzt wurden, wuchsen saftige Kräuter und paar Meter weiter entdeckten sie im Fichtenwald Pilze, wie Steinpilze, Pfifferlinge, Maronenröhrlinge. In der Nähe floss ein schmaler Bach. Hier bot ihnen die Natur ein wahres Tischlein-deck-dich. Sogar das Wasser, dass sie dem Bächlein entnahmen, hatte einen besonderen Geschmack, dem sie sich nicht entziehen konnten. Zunächst nippten die kleinen Racker an dem Wasser. Sie wollten den Geschmack des köstlichen Nass herausfinden. Ihr feiner Sinn für Essen und Trinken veranlasste sie ihrem Gefühl nachzugeben und noch mehr zu sich zu nehmen. Sie pichelten und pichelten und pichelten bis sie guter Laune waren. Das Zwergenvölkchen hüpfte und sprang herum, schlug Purzelbäume und sang. Herr Wichtel konnte nicht begreifen, dass das Wasser die Kerlchen so lustig machte. Er ging deshalb der Sache nach, lief an dem Bächlein entlang, dass zu einem Weingut führte. Auf leisen Sohlen huschte er in den Hof der Kellerei und von da aus in die Räume, wo riesige Weinfässer lagerten. Siehe da, einer der Holzgefäße war undicht. Was war die Folge? Dieses Gewässer wurde sozusagen in Wein verwandelt. Immer wieder versuchte Herr Wichtel seines Männleins zur Vernunft zu bringen. Sie waren derartig beschwippst und beduselt. Da war guter Rat teuer; wie sollte man sich bei der lauten Gesellschaft Gehör verschaffen? Nach und nach stellte sich bei allen Waldmenschen Erschöpfung ein. Sie konnten sich nicht mehr auf ihren Beinchen halten, fielen wie Plumpsäcke auf den weichen Waldboden und schliefen sogleich ein.

Am nächsten Tag, so um die Mittagsstunde, versuchte Herr Wichtel die trunkenen Gesellen zu wecken. Das Aufstehen fiel ihnen sehr schwer. In ihren Köpfchen rauschte, hämmerte und brummte es. Nur Herr Wichtel fühlte sich einigermaßen wohl. Er erklärte allen was geschehen war. Dabei schmunzelte er und meinte: „Manches Mal tappen wir in etwas hinein, wofür wir nichts können. Also erholt Euch erst einmal. Morgen geht es weiter.“ Miti und Giti machten einen Spaziergang durch den Fichtenwald, um nach Tieren und Pflanzen Ausschau zu halten. Titi und sein kleiner Bruder Max schlossen sich der Wanderung an.

Gefangennahme des Zwergenlehrers durch Pilzsammler.

Der Abschied und der darauf folgende längere Fußmarsch

21. Folge: Der Abschied und der darauf folgende längere Fußmarsch

Am folgenden Morgen standen alle Wichtels schon frühzeitig auf. Wie üblich wurde zuerst gefrühstückt. Hinterher nahmen sie tränenreichen Abschied von den Tieren des Waldes und des Teiches. So nebenbei erkundigten sie sich noch, wer ihnen bei der Weiterreise nützlich und behilflich sein könnte. Bedauerlicherweise war keiner bereit, nicht einmal der Schwan, der diesen Teich für sich und zur Aufzucht seiner Jungen entdeckt hatte. „Oh, oh“, dachte Herr Wichtel, „diese Vögel vertragen sich nicht mit anderem Wassergeflügel. Sie vertreiben diese Tiere mit der Zeit und fressen Unterwasserpflanzen, welche den Sauerstoffgehalt des Wasser beeinflussen. Außerdem bietet diese Flora den Fischen Nahrung und Schutz vor Raubfischen. Hoffentlich siedeln sich hier nicht zu viele Schwäne an.“

Miti schlug vor, den Fasan zu fragen, weil er gerne mehrere Hennen um sich sammelt. Sie könnten die Zwerge ihrem Ziel ein Stück näherbringen. Titi entgegnete, dass Fasanenhennen zu dieser Jahreszeit – also während der Brut- und Aufzuchtszeit – ihre Jungen nicht verlassen werden, denn Fuchs, Wiesel oder Krähe liegen auf der Lauer um die Gelege zu plündern. „Da müssen wir eben auf Schusters Rappen gehen.“, schrie Gitti, das jungste Zwergenmädchen, dazwischen. Herr Wichtel war mit dem Vorschlag einverstanden. So zogen die kleinen und großen Zwerge vereint los und trippelten unter Farnen, Gräsern und Heidelbeerbüschen einher und hatten aus Vorsicht ihre Tarnkappen aufgesetzt. Sie pflückten dabei Beeren und verzehrten sie so gleich. Die drückende Hitze hatte etwas nachgelassen und die Knollennasen liefen mit Leichtigkeit über Stock und Stein. Die Kleinen mussten öfters ermahnt werden, nachzukommen. Ständig entdeckten sie etwas Neues. Insekten, Würmer und Raupen waren für sie kleine Monster. Da plötzlich ein schriller Aufschrei.

Gitti hatte sich in einem Spinnennetz verfangen und kam nicht mehr aus dem Wirrwarr von Fäden heraus. Vater Wichtel erschrak, als er das zappelnde Töchterlein im Netz hängen sah. Hier war Eile geboten, denn eine falsche Drehung und das Mädchen würde sich selbst aufhängen. Zu dem bestand Gefahr durch die Spinne, die ihr Opfer schon voll im Visier hatte und züngelte. Das krabbelige Tier lud gerade seinen Gifttank auf und wollte sich auf das Opfer stürzen. Herr Wichtel kam ihm zuvor und zerstörte mit einem kraftvollen Schlag Netz und Spinne und konnte dadurch die verängstigte Gitte retten. Er hob sie auf seinen Arm, drückte sie und gab ihr Schmusebäckchen. Nach und nach beruhigte sich das Zwergenmädchen. Wichtelfrauchen schaute nach, ob es irgendwelche Verletzungen erlitten hatte. Zum Glück überstand die kleine Göre das Ganze unversehrt, was sie einzig und allein dem mutigen Vorgehen ihres Vaters zu verdanken hatte.

Nach diesem Vorfall meldete sich auch der Zwergenlehrer zu Wort. Er veranschaulichte durch Beispiele den Knollennasen, wo im Wald Gefahren lauern. Alle müssten immer auf der Hut sein. Danach marschierten die Zwilche unter den Pflanzen des Waldes weiter. Viele Male schauten sie nach oben und bemerkten, wie es im Buchenwald allmählich dunkler wurde. Das Gewächs am Boden bekam kein Licht und verkümmerte. Die Zwilche fanden hier keine Nahrung mehr. Deshalb mussten sie ihre Marschroute verändern und am Waldesrand entlang gehen. Hier wuchsen die Kräuter, die sie für ihr leibliches Wohl benötigten. Nicht weit davon schlängelte sich ein klares Bächlein durch die Wiesen. An dieser Stelle wurde halt gemacht. Nach der langen Wanderung war das Völkchen hungrig und durstig geworden. Die Rast kam ihnen gelegen. Sie setzten sich in das weiche Gras und entdeckten, als sie in die Ferne blickten, ein kleines Dorf mit nur sechs Häusern. Drum herum waren riesige Kronfelder und fette, saftige Weiden, ein Schlafaffenland für Rinder. Das Getreide stand gut und konnte bald geerntet werden. Es war tatsächlich eine traumhafte Landschaft und noch schöner als die Gegend am Teich. Am frühen Nachmittag, nach dem man gegessen und sich ausgeruht hatte, sollte der Trip durch die Gefilde fortgesetzt werden. Leider fühlten sich viele vom stundenlangen Marsch, den sie hinter sich hatten, schlapp und lustlos. Wichtelmännchen hatte wirklich große Mühe seine Mannschaft in Bewegung zu setzen. Jeder von ihnen trippelte und trappelte so vor sich hin und ließ Kopf und Arme hängen. Erst als ein Rehkitz aus dem Kornfeld über den Weg sprang, wurden alle wieder neugierig und lebendig.

Die Zwerge helfen einem Rehkitz, das seine Mutter verloren hat.

ff5bb26acda16f65a8264db222fdc6ec4444444444