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Wichtelmännchen erfährt einiges über die Raubeine

5. Folge: Wichtelmännchen erfährt einiges über die Raubeine

Bei der ganzen Angelegenheit gab es noch etwas zu bedenken: Wie lange ist der Tee wirksam? Bleiben die Männer friedlich? Oder musste die ganze Prozedur wiederholt werden? Zunächst hatten unser Wichtelmännchen und seine Lieben eine Weile Ruhe. Kämpfe, räuberische Taten und Überfälle gab es nicht. Sie jagten anstatt Tiere, erlegten sie und brieten sie am Spieß. Sie hatten also genug zu essen und der Tee reichte noch über eine Woche. Die Dorfbewohner, die zu den Raubeinen hielten, waren schockiert, konnten aber im Augenblick nichts ändern. Die beiden Wichtelkindern tat die eingetretene Ruhe sichtlich gut. Sie konnten sich draußen vor Höhle ungestört neue Wurfspiele und lustige Versteckspiele ausdenken. Keiner wusste, was in der nächsten Zeit geschehen wird. Es war einfach herrlich, diese ruhigen und friedlichen Zeiten genießen zu können. Sollte es tatsächlich so bleiben?

Misstrauisch blieben alle. Wichtelmännchen blieb auf der Lauer. Das hatte seine Berechtigung, denn eines seiner Kinder verschwand plötzlich. Sein Geschwisterchen kam weinend an. Es fand sein Brüderchen nicht mehr. Darüber erschraken seine Eltern sehr. Sie hatten tatsächlich Angst, dass die bösen Krieger es gekidnappt hatten und suchten es zunächst bei ihnen. Aber dort befand sich das kleine Kerlchen nicht. Inzwischen hatten die Wichteleltern erfahren, dass noch andere wilde Horden durch den Wald gezogen waren. Möglicherweise war das Kind in deren Gewalt. Wichtelvater bat die Truppe – ihre Gedanken waren noch friedlich – ihm zu helfen. Sie gingen anderen Spuren bis hin zum nächsten Dorf nach und, siehe da, das Wichtelkind war hier. Sein bleiches Gesichtchen errötete als es den Vater sah und sprang zu ihm hin.

Die Truppe wollte die wilde Horde verprügeln. Einer von ihnen bremste sie und erzählte, dass das Kind hinter ihnen hergelaufen sei. Sie hätten ihm nichts getan. Die wilde Horde zog sich in ihr Lager zurück. Leichte Unruhe trat in ihnen ein. Offenbar fing die Wirkung des Tees an nachzulassen. Immer nur Tee für die Streithähne zuzubereiten, würde die Familie unheimlich anstrengen, mehr als ein großer Mensch. Außerdem war es unzumutbar, ständig Schwerstarbeit zu leisten.

„Kommt man denn gar nicht zur Ruhe“, dachte Vater Wichtel. Noch einmal besuchte er die Truppe in ihrem Lager und bat inbrünstig keinen Krieg mehr anzuzetteln. Unter den Soldaten befanden sich zum größten Teil Söhne armer Leute, die bei den Kriegern dienten, um zu überleben. Zu Hause, in ihrer Heimat, war das Leben sehr schwer. Meistens musste eine große Familie versorgt werden. Die wenigen Felder, die sie besaßen, brachten nicht genug Nahrung für alle. Es gab Zeiten, in denen die Ernte durch Naturkatastrophen zerstört wurde. Ihre Familien hatten keine andere Wahl, als in der Natur, im Wald, Beeren, Pilzen und Pflanzen zu sammeln. Das war sehr mühsam. Die erwachsenen Söhne verließen ihre Familien und suchten bei irgendeiner Bande unterzukommen. Allerdings mussten sie beim Training ihre Ausdauer beweisen. Wie dem auch sei, Krieg oder auch räuberische Überfälle sind etwas schreckliches. Sie bringen viel Armut und Trauer über die Bevölkerung.

Die Sieger triumphierten und kosten diese Situation aus. Sie nehmen Besitz weg, verlangen, dass sich die Menschen unterwerfen. Wichtelmännchen und seine Familie redeten darüber und verstanden nicht die Habgier der rauen Horden. Zeitweise bedauerten sie die Leute sogar wegen ihrer Einstellung. Leider reichte die beste Überredungskunst nicht aus, die bösen Krieger von ihrem Vorhaben abzubringen. Mit List und Tücke vorzugehen, war nicht im Sinne der Zwergenfamilie. Wenn es halt nicht anders geht, sollte Taktik besser sein.

Versuchsweise besprach Wichtel noch einmal das Thema mit einzelnen Rekruten. Bedauerlicherweise hielten sie nichts von seinen Vorschlägen. Sie sagten, dass es ihnen gleichgültig wäre durch Hunger oder Krieg umzukommen. Hier hätten sie die große Chance etwas zu bekommen. Immerhin zeigten die uneinsichtigen Streiter Gelassenheit. Der Boss übte weiter mit ihnen. Abends durften sie ihre freie Zeit für ihre Zwecke benutzen. Sie knobelten oder rauften miteinander wie es junge Tiere tun, die sich für den harten Kampf in der Natur vorbereiteten. Mittlerweile hatten die Krieger den Kräutertee ausgetrunken. Es gab keinen Nachschub mehr.

Wichtelmännchens Begegnung.

Wichtelmännchen stellt die Truppe mit Tee ruhig

4. Folge: Wichtelmännchen stellt die Truppe mit Tee ruhig

Dennoch fanden unsere kleine Lieblinge durch die aufrührerischen Menschen keine Ruhe, da diese ständig über ihren Köpfen herumtrampelten. Vater Wichtel wünschte, dass sie Abstand von ihrer niedlichen Wohnstätte hielten und versuchte sie zu überreden. Er tarnte sich und lief zum Anführer der Bande und sprach ihn mit seiner hohen dünnen Stimme an. Weil er niemanden sah, erschrak der sonst so mutige Bösewicht. Natürlich wollte er wissen, wer ihn ansprach und wo er sei. Das Wichtelmännchen traute ihm nicht und gab sich auch nicht zu erkennen. Seine Bitte, lediglich Ruhe halten zu wollen, beantwortete der Chef mit Nein. Der Chef entgegnete, er würde so weiter machen, er wolle viele Gebiete erobern und möglichst über alle Menschen herrschen. „Wie du meinst“, erwiderte das kleine Männchen, „dann werde ich versuchen mit deinen Männern zu reden, vielleicht haben die ein Einsehen. Du kannst sie nur so lange halten, wie du sie versorgst. Ständig böses zu tun, anderer Leute Hab und Gut wegzunehmen, das bringt euch nichts Gutes.“

Unser Wichtelmännchen verschwand und wurde sehr nachdenklich. Ihm war vieles verständlich geworden. Es dachte nach und kam zur Ansicht, doch mit den Kriegern zu sprechen. Eine andere Lösung wusste es nicht. Es hatte starke Kopfschmerzen, so viel überlegte es. Dabei kam ihm eine Idee. Es gab so viele duftende Kräuter im Wald. Wenn man die angemessene Menge vermischt, mit kochendem Wasser aufbrüht und einen Tag ziehen lässt, dürfte es auf die Sinne der Krieger einwirken, ohne dass ihr Körper Schaden nimmt. „Ich werde noch ein paar süße Beeren darauf legen und den Kübel mit dem Tee in die Nähe der Raubeine stellen. Der Duft der Brühe soll sie anlocken und neugierig machen. Ich stelle mir vor, dass sie auch daran kosten werden. Zumindest werden sie die Beeren herausfischen, die den Tee schon aufgesaugt haben. Das reicht aus, ihre Wildheit zu bezähmen. Von da an darf ich die Männer nicht mehr aus den Augen lassen, um den richtigen Moment nicht zu verpassen, sie anzusprechen.“ Sofort sammelte die ganze Familie Wichtel tagelang Kräuter und Pflanzen. Es war sehr mühsam, die entsprechende Menge zusammenzubringen,denn gab Tiere , die darauf aus waren, der Familie die gepflückten Pflanzen zu mopsen. Danach sammelten sie Holz, stapelten es aufeinander und zündeten es an. Ein riesengroßes Gefäß wurde darauf gestellt und mit Wasser gefüllt. Als das Wasser kochte, kamen die Kräuter hinein und die köstlichen Beeren oben drauf. Das ergab einen herrlichen Duft. Wie es sich Wichtelmännchen vorgestellt hatte, zog der herrliche Wohlgeruch die Soldaten an.

„Hm, hm“, sprachen sie, „so einen angenehmen Geruch haben wir noch nie wahrgenommen. Wir müssen das Getränk mal probieren.“ Sie nahmen sich erst von den Beeren. Bald wurden sie mutiger und tauchten ihre Lippen in die Brühe und tranken davon. Oh, wie das schmeckte. Was Wichtelmännchen wollte, trat ein.

Die Truppe wurde allmählich ruhiger. Da war für das kleine Männchen der Augenblick gekommen, sich sichtbar zu machen und sie anzusprechen. Die bösen Männer erschraken sich komischer Weise nicht, dass es plötzlich zu sehen war und mit ihnen redete. Es schien als hätte man der Mannschaft jegliche Angriffslust genommen. Sie stimmten sogar seiner Bitte zu und gaben ihr Ehrenwort genauso friedliebend sein zu wollen wie Herr Wichtel. In diesem Augenblick kam der Kommandant der Truppe hinzu. Er schrie und tobte. Jedoch die Truppe ließ sich nicht beirren. Nun wollte er das kleine Männchen angreifen. Wie man weiß, konnte es sich gut verteidigen, da es vorsichtshalber vorher seinen Zaubertrank zu sich genommen hatte. Nach dem Wichtelmännchen den Boss mit einem gezielten Schlag kampfunfähig gemacht hatte, bat dieser um Wasser. Sein Bewusstsein hatte etwas gelitten, so konnte er nicht sehen, dass ihm statt Wasser Tee gegeben wurde. Gierig schlürfte er die Flüssigkeit in sich hinein und wie ein Wunder, er fand den Geschmack daran. Unerwartet trat auch Ruhe in ihm ein. Er grinste und ließ sich gleichzeitig überzeugen, dass seine Einstellung falsch war.

Wichtelmännchen erfährt einiges über die Raubeine.

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