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Die Suche nach einer Bleibe

60. Folge: Die Suche nach einer Bleibe

Die sanfte herbstliche Witterung hielt nicht lange an. Mit Wind und Graupelregen setzte eisige Kälte ein. Noch hatten die Wichtels keinen Unterschlupf gefunden. Frierend und bis auf die Haut durchnässt, suchten sie eine Bleibe, möglichst unter Baumwurzeln, die das Erdreich stützten und bei Regen oder Schnee nicht absacken ließen. Das war die eine Sorge. Die andere war:Viele Tiere des Waldes hatten sich schon zum Winterschlaf in ihre Höhlen begeben. Hie und da flitzten einzelne Eichhörnchen durch die Gegend, die ihren Artgenossen Nüsse und Eicheln stibitzten, um ihren Wintervorrat aufzustocken, aber sich nicht um die in Not befindlichen Zwerge kümmerten. Einen echten Winterschlaf halten diese possierlichen Geschöpfe sowieso nicht. Der Wald war wie ausgestorben. Die treuen Freunde verschwunden. Ohne eine Pause einzulegen, ging die Suche weiter bis ein Jäger auf seinem Rundgang auf die kleine Horte stieß.

„Was sucht ihr bei dieser Kälte in diesem Gebiet“, fragte er die kleinen Waldmenschen. „Wir wollen irgendwo überwintern, wo es trocken und warm ist“, antwortete der Wichtelvater. „Ich möchte euch einen Vorschlag machen“, sprach der Grünrock weiter, „im Keller meines Hauses habe ich eine kleine Station für kranke und verletzte Wildtiere gebaut. Ich würde euch während der kalten Jahreszeit dort Unterschlupf gewähren und dafür sorgen, dass ihr euer Kräutlein bekommt Ich werde jetzt erst mal einen kleinen Leiterwagen holen, um euch wenigstens einen Weg zu ersparen. Wartet hier solange“. Mit diesen Worten verließ er die Zwerge.

Während sie schlotternd auf ihren freundlichen Gastgeber warteten, schlich sich ein Troll heran und sprach: „He, ihr Zwerge, ich weiß eine geräumige Höhle, wo ihr überwintern könntet.“ „Bloß nicht, bloß nicht“, krächzte ein Rabe, der in der Nähe auf einem Ast saß und das hörte, „der Troll ist ein böser Kobold, der will euch in einen Hinterhalt locken.“ Da wurde der Bösewicht zornig und kletterte am Baum hoch, um den Vogel zu greifen. Dabei rutschte er ab und fiel ganz unsanft zu Boden. Er krümmte sich vor Schmerzen, schimpfte wie ein Rohrspatz, so dass es jedes Tier im Umkreis mitkriegte. Sogar eine Wildgänsefamilie, die auf Nahrungssuche war, vernahm das Geschreie und watschelte herbei. Ihr ohrenbetäubendes Geschnatter übertönte das grässliche Gezeter und erschreckte den frechen Troll. Es blieb ihm nichts anderes übrig als schleunigst das Weite zu suchen.

Der Flug mit den Gänsen.

Die Suche nach dem Garten

44. Folge: Die Suche nach dem Garten

Nun standen sie da „wie bestellt und nicht abgeholt“. Weil sie so klein waren, konnten sie nicht über die Grashalme blicken. Wie sollten sie den Garten finden, wenn sie nicht einmal wussten, wo er lag. Musste man geradeaus gehen oder links oder rechts abbiegen? Ein kleines Apfelbäumchen, das neben einer Dornenhecke heran wuchs, machte auf sich aufmerksam, indem es ächzend rief: „Hallo, ihr kleinen Leute kommt zu mir her und helft mir den stachligen Busch beiseite zu schieben. Ständig streitet er mit mir und behauptet, ich stünde ihm im Weg. Mit aller Gewalt versucht er mich zu pieken und meine Wurzeln zu umklammern, damit ich keine Luft mehr bekomme. Helft mir bitte!“ „Ja“, antworteten die Wichtelmänner, „nur unter einer Bedingung: Du musst uns den Weg zeigen, der zu einem in der Nähe der Bahngleise gelegenen Garten führt.“ „Das mache ich gerne, wenn ihr mir helft“, erwiderte das Apfelbäumchen. „Das ist doch selbstverständlich“, sagte Herr Wichtel. „Gut, steigt auf meine Äste, dann werdet ihr von da aus den Garten sehen“, wimmerte das von Schmerzen geplagte Bäumchen. Ganz langsam und vorsichtig krabbelten die Zwergenkinder wie die schwarzen Käfer am Stamm hoch, hin zu den Ästen. Von hier aus hatten sie einen weiten Blick. Miti und Max saßen ganz oben im Gipfel und riefen so laut sie konnten: „Dort drüben liegt der Garten. Wir müssen nur die Schienen überqueren, dann sind wir da.“ Kaum waren die beiden Racker wieder im Gras gelandet, vernahmen sie Geräusche. „Aufpassen“, ermahnte Vater Wichtel seine Leutchen, „zwei Jogger nähern sich.“ Versteckt euch hinter Grashalmen und gebt keinen Laut von euch. Damit ihr ganz sicher seid, setzt zusätzlich eure Tarnkappen auf.“ „Was sind Jogger?“, wollte Mäxchen wissen. „Dummköpfchen, das solltest du wissen“, fuhr Miti ihn an, „das sind Leute, die im Laufschritt Feld, Wald und Wiese durchqueren. Du hast sie schon gesehen oder nicht?“ „Ja, ja, ich erinnere mich, deswegen brauchst du mich nicht gleich scheeler Hund zu nennen!“, sagte beleidigt sein Spielgefährte. Herr Wichtel amüsierte sich über die beiden Streithähne und war der Ansicht, dass auch gute Freunde nicht immer einer Meinung sein müssen.

Nachdem die zwei Sportler irgendwo im Gelände verschwunden waren, war es wirklich an der Zeit, nach dem Garten „Eden“ zu suchen. Die Zwilche setzten sich endlich in Bewegung. Ein Rotkehlchen folgte ihnen und wollte wissen, wohin sie wollten. Empört über seine Neugier, schauten alle in die entgegengesetzte Richtung und antworteten nicht. „Hört, ich will euch helfen. Ich habe schon erfahren, dass ihr in einen bestimmten Garten wollt. So was spricht sich doch unter uns hier lebenden Tieren herum. Ich selbst habe dort ein kleines Nest in einem Obstbaum. Also möchtet ihr meine Hilfe annehmen?“, zwitscherte das Vögelchen. Da wurden die Zwerge hellhörig, gaben klein bei. Das Rotkehlchen flog vor ihnen her und zeigte ihnen den Weg. Vor einer eisernen mit Ornamenten verzierten Tür blieben sie stehen und schauten in den Garten hinein. „Der sieht ja so gepflegt aus, da traut sich nicht einmal eine Blattlaus oder Raupe hinein“, äußerte sich der Zwergenlehrer, “man kann da beinahe vom Boden essen, die Wege sind so fein gerecht. Nirgendwo sprießt ein Unkräutlein.“ Weiter dozierte er: „Das Unkraut ist überhaupt kein Unkraut. Es gehört ebenfalls zu den Kräutern. Nur den Menschen störten diese von jeher zwischen ihren Pflanzen. Seitdem entfernen sie die teilweise so hübschen Unkräuter.“ „Das ist aber schade“, entgegnete Herr Wichtel, „wenn das so ist, müssen wir von Zeit zu Zeit auf die nahe gelegene Wiese gehen – dort wo die Rinder grasen – und die wild wachsenden Kräuter für unseren Verzehr pflücken. Na ja, wir sollten uns erst mal den Garten ansehen und keine Vorurteile bilden.“ Unter der Gartentür war ein kleiner Freiraum. Groß genug für das Zwergenvölkchen hindurch zu krabbeln. Hier kam ihnen Meister Lampe entgegen. „Wie bist du in dieses Gelände gekommen?“, wollte Lisa wissen. „Ganz einfach, ich habe einen Tunnel unter dem Zaun gebuddelt, weißt du, so mit den Vorderpfoten“, erklärte er ihr. „Das musst du mir zeigen“, verlangte das Wichtelmädchen. Der Hase nahm sie auf seinen Rücken und hoppelte mit ihr zu dem Schlupfloch. „Nicht so schnell“, rief sie, „dein Gehüpfe bringt mich ganz durcheinander. Kannst du nicht anständig gehen wie ein Reh?“ „Nein, das geht nicht, weil meine Vorderpfoten kürzer sind als die hinteren.“ Lisa zwang dennoch den Nager sich etwas ruhiger zu bewegen. Bald erreichten beide den „illegalen“ Zugang und schlüpften durch diesen in den Garten. Inzwischen waren auch die anderen Knirpse eingetroffen. Das Rotkehlchen hatte sich auf dem Dach der Gartenlaube niedergelassen, von wo es sein „hüh, lülü sissississi“-Liedchen sang.

Erlebnisse im neuen Umfeld.

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