Die Geschichte von kleinen Waldmenschen

Waldgeister

Die Zwerge geraten in eine lebensbedrohliche Situation

56. Folge: Die Zwerge geraten in eine lebensbedrohliche Situation

Der Herbst zog ins Land; die Tage wurden kürzer und kühler. Es war jetzt höchste Zeit für die kleinen Waldmenschen eine vor Schnee und Eis schützende Höhle zu finden. Und das Suchen war nicht leicht, besonders in der gerade stattfindenden Mondfinsternis. In der Nähe von sumpfigen Wiesen, wo sich die Feuchtigkeit auch über die weiten Flächen, also bis in den Wald erstreckte, konnten sie auf keinen Fall bleiben.Trotz aufkommender Müdigkeit hielten sie ihre Äugelchen weit offen, um einen geeigneten Unterschlupf zu finden.

Eine Eule beobachtete die Zwerge und hatte Mitleid mit ihnen. Darum flog sie zu den kleinen Wanderer hin und fragte: „Wohin des Weges? In der Dunkelheit seht ihr doch nichts mehr. Ihr könnt Euch verirren und böse Waldgeister nehmen Euch gefangen, weil ihr versehentlich das von ihnen bewachte Gebiet betreten habt.“ „Wir suchen einen Unterschlupf, wo wir uns ein wenig ausruhen können, nur für diese Nacht“, antworteten die Wichtels, „und morgen ziehen wir weiter.“ „Damit Euch kein Unglück geschieht, zeige ich Euch eine Höhle, die im Bereich einer Quelle liegt. Dort treffen sich in aller Frühe alle Tiere des Waldes und schwatzen über Klatsch und Tratsch im Walde. Dabei sind sie ungewöhnlich laut. Aber das darf Euch nicht stören. Rechts daneben liegt der unterirdische Bau, in dem ihr übernachten könnt.“ „Danke, liebe Eule“, antwortete Vater Wichtel. Aber plötzlich, noch bevor die Zwerge ihr Ziel erreichten, kam dichter Nebel auf. Ihr Blickfeld wurde so eingegrenzt, dass sie kaum noch die Hand vor den Augen sahen. Sie hörten zwar den Flügelschlag des Raubvogels, konnten ihn aber nicht mehr sehen.

„Was soll das bedeuten?“, fragte sich das Waldvölkchen. „Wer will uns einen Streich spielen, doch nicht die Eule?“ Als alle beratschlagend zusammen standen, vibrierte unter ihnen die Erde und gab nach. Die Wichtels waren so erschrocken, dass sie nach Ästchen und Zweiglein griffen, um sich Halt zu verschaffen. Leider nicht lange. Sturm setzte ein und die kleinen Leutchen wurden wie dürre Blätter fort geblasen. Keiner von ihnen konnte sich dagegen wehren. Sie fügten sich ihrem Schicksal und landeten mitten im Gelände der bösen Waldgeister. Die freuten sich, unverhofften Besuch bekommen zu haben. „Was wollt ihr hier“, fragte sarkastisch der Herrscher die heftig zitternden Wichtels, „ihr habt Euch so zu sagen in die Höhle des Löwen gewagt. Ihr wisst, dass ihr hier nicht mehr herauskommt. Wir werden euch in einen Untertagebau stecken, wo ihr für uns Fronarbeit leisten müsst. Für den, der nicht ordentlich arbeitet, gibt es nichts zu essen und zu trinken. Statt in weichen Betten werdet ihr auf hartem Boden schlafen.“ Den Zwergen überlief ein Grauen. Denn keine Seele wusste, wo sie sich befanden. Trotz allem gaben sie die Hoffnung nicht auf, eine Lösung zu finden, um hier herauszukommen. Sie dachten in erster Linie an die Eule, die ihnen helfen könnte, weil sie vor diesem schrecklichen Ort warnte.

Die Eule flog auf ihren Baum zurück, wo sie ihr Nest hatte. Sie war sehr aufgeregt Durch ihr unkluges Verhalten waren die Wichtel in einen Hinterhalt geraten. Ihre Vermutung, dass das Völkchen wegen der schlechten Sicht sich verirrt hatte und in das Gebiet der bösen Geister geraten sein könnte, war richtig. Leider konnte sie in dieser Nacht nichts mehr unternehmen, da sich die meisten Tiere bereits bei Eintritt der Dämmerung in ihren Bau verkriechen. Erst am nächsten Morgen, als die Sonne ihre ersten Strahlen auf die Erde sandte, erzählte ihnen die Eule, dass durch ihre Schuld die Zwerge verschwunden wären. „Wir müssen, ob wir wollen oder nicht, alles versuchen, sie zu befreien.“ „Warum wir, du hast dich nicht mehr um sie gekümmert, weil du glaubtest, sie kämen alleine zurecht, also jammere uns nichts vor“, meinte der Hirsch. „Bitte helft mir, wir können sie jetzt nicht im Stich lassen“, bat die Eule flehentlich. „Gut, wir wollen nicht so sein“, brummte der Hirsch, „ich werde mich mit den kleinen Erdgeistern in Verbindung setzen. Es sind ganz liebe Gnomen, aber wenn es um Ungerechtigkeit geht, können sie ganz schön unangenehm werden.“ Inzwischen schauten sich die Zwerge die Umgebung der Höhle etwas genauer an, ob dort trotz Dunkelheit Kräuter und Pflanzen wachsen, die sie heimlich zur Stärkung ihrer Kräfte zu sich nehmen könnten. „Was glotzt ihr so herum, es gib keinen Ausgang für Eure Flucht. Hier kommt ihr nicht mehr heraus“, brüllte der Gebieter die armen Kleinen an und forderte sie auf, endlich weiter zu gehen. Sie sollten sich schlafen legen, damit sie am anderen Tag die schwere Arbeit verrichten können. Mitten in der Nacht hörten sie seltsame Kratzgeräusche. Sie spitzten ihre Ohren. „Was ist das?“, fragten Lisa und Max. „Pst, pst“, kam es aus der hinteren Ecke. „Ruhe da drinnen“, schrie ein Aufpasser, „haltet eure Mäuler, sonst gibt es mit dem Knüppel auf die Nuss.“ Unsere kleinen Freunde konnten vor Aufregung nicht einschlafen, da sie von jetzt an auf jeden noch so leisen Ton, der ihnen zu Ohren kam, achteten. Unheimliche Stille herrschte. Die Nerven der Zwerge waren zum Zerreißen gespannt. Da, plötzlich tat sich unter ihnen die Erde auf und einer der rettenden Erdgeister erschien auf der Oberfläche. Klar, dass die Wichtel fast zu Tode erschrocken waren und und kein Wort hervorbrachten. Sie hatten nur noch das Ende vor Augen. „Schlimmer kann es wirklich nicht mehr kommen“, dachten sie und beugten sich dem scheinbar unabwendbaren Schicksal. Der Erdgeist blickte in die traurigen Gesichter und säuselte: „Ihr braucht Euch nicht mehr zu ängstigen. Ich will euch zur Flucht verhelfen. Wir Erdgeister haben einen Tunnel gegraben. Durch diesen unterirdischen Gang kriecht ihr durch. Es wird ein bisschen anstrengend werden. Aber nur so erlangt ihr Eure Freiheit wieder“. „Was geschieht, wenn die Bösewichte unseren Ausbruch bemerken?, entgegnete der Wichtelvater. „Wir haben uns entsprechend vorbereitet“, wurde ihm erwidert. „Wie, das werdet ihr sehen, wenn die Kerle uns Schwierigkeiten machen. So, überlegt nicht lange und habt nicht so viele Bedenken. Ich gehe vor und ihr krabbelt hinter mir her.“ Alle Zwerge folgten vertrauensvoll dem Gnomen. Allerdings traten bei den Wichtelkindern nach einer gewissen Zeit Atembeschwerden auf, weil in dem Gang die Luft sehr stickig war. Als sie die Hälfte der Wegstrecke geschafft hatten, wurde kurz Rast gemacht. Da beruhigte der Erdgeist die Kleinen, in dem er auf das Licht am Ende des Tunnel hinwies. „Haltet durch“, sprach er, „bald sind wir am Ziel und außerhalb des Einflusses der bösen Waldgeister.“

Am liebsten hätte man aufgegeben, denn diese zwangsläufige Art der Fortbewegung zehrte an ihren Kräften. Keuchend und schwitzend schoben sie ihre schlappen Körper weiter und achteten auf nichts mehr. Völlig erschöpft erreichte das Waldvölkchen den Ausgang, den die gemeinen Waldgeister ihnen versperren wollten. Laute Freude herrschte, als die Eule erschien und allen mitteilen konnte, dass diese schurkigen, wesenlosen Schemen in Lemminge verwandelt worden seien. Wegen Übervölkerung verlassen die kurzschwänzigen Nagetiere alle 3-4 Jahre in riesigen Scharen ihre Wohngebiete und diese Wanderschaft führt blindlings ins Meer, vor dem sie nicht mehr zurückweichen können. In dem angeblichen unterirdischen Bergwerk hatte man kein Erz finden können. Auch sei keine Lagerstätte für entsprechende Werkzeuge zum Abbau eingerichtet gewesen. Statt dessen lagen überall Tierskelette herum. Daraus war klar zu erkennen, was diese bösen Geister vor hatten. Jetzt war wirklich Eile geboten, da die Wichtels vor Übermüdung schon über ihre eigenen Füßen stolperten, die Höhle zum Ausruhen und Schlafen anzusteuern. Bevor sie sich nieder legten, stillten sie ihren Durst an der in der Nähe liegenden Quelle.

Auch in der nächsten Nacht fanden die Zwerge noch keine Ruhe.

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Die Zwerge werden im Schlaf gestört

35. Folge – Die Zwerge werden im Schlaf gestört

Nach diesem spannenden Ereignis entschied man sich an Ort und Stelle zu verbleiben, denn in der Finsternis des dichten Waldes war es zu schwierig den rechten Weg zu finden. Sie legten sich alsbald zum Schlafen unter Sträuchern, die hier sehr üppig wuchsen. Doch bevor alle ihre müden Glieder ausstreckten, riet Herr Wichtel und der Zwergenlehrer davon ab, sich auf dem sandigen, weichen Waldboden niederzulassen, wo die fleißigen, roten Waldameisen ihren mannshohen Hügel aus Millionen von Nadeln, Ästchen und Zapfenschuppen zusammengetragen hatten. „Diese rastloen Insekten können Euch beim Schlafen stören“, meinte das Zwergenoberhaupt, „deshalb sucht Schutz zwischen Pflanzen und Büschen.“ Ein paar Zwerge nahmen den ihnen gegebenen Rat wörtlich und kletterten auf die gefächerten Blätter der hohen Farne. Es dauerte nicht lange, da waren alle fest eingeschlafen. Sie ließen sich nicht durch Knistern und Rascheln, das von dem geheimnisvollen Leben im Walde Kunde gibt, stören. Auch das Rotwild, das erhobenen Hauptes an ihnen vorüberzog, behelligte die Zwilche nicht. Sie schnarchten sehr geräuschvoll, so dass die Waldmäuschen erschraken und schlotternd in ihre Löscher wuselten, um dieser lebhaften Sägerei zu entgehen. In der Ferne braute sich ein Gewitter zusammen und zog glücklicherweise südwärts.

In dieser Nacht drohte den Knirpsen eine echte Gefahr. Einer der Kobolde entdeckte die im Unterholz schlafenden. Er pfiff seine Artgenossen herbei. Diese Störenfriede hatten offenbar Lust einen Streit vom Zaun zu brechen. Sie hüpften wie Butzemänner zwischen den ruhenden Waldleutchen herum, kitzelten sie an ihren Füßchen und stießen satanische Schreie aus. Die überrumpelten Zwerge zogen geschwind ihre Tarnkappen über ihre Köpfchen und verschwanden zwischen Gräsern und Blümchen. Nun geschah etwas, womit die gemeinen, grimmigen Kobolde nicht gerechnet hatten. Sie wurden von den so genannten Soldaten der roten Waldameisen angegriffen. Mit ihren vergrößerten Mundwerken bissen sie sich an den boshaften Gnomen fest und zwangen sie so zur Flucht. Abgehetzt und außer Atem erreichten sie das Ufer eines Tümpels und tauchten ihre geschundenen Arme in das stehende Gewässer, damit die Wunden gekühlt wurden. Selbst hier konnten sie keine Verschnaufpause einlegen, denn die kleinen, arglistigen Waldgeister wurden von blutsaugenden Wasseregeln angegriffen. Rasch zogen sie ihre Ärmchen aus dem Tümpel heraus und fluchten lauthals schreiend in der Gegend herum. An liebsten hätten sie auf den Ameisen herumgetrampelt. Leider waren sie längst verschwunden, flitzten zu ihrem Ameisenvolk zurück, damit dieses vor fremden Angriffen weiterhin geschützt blieb.

Die Wichtels fanden keinen erholsamen Schlaf mehr, weil die fliegenden Leuchtkäfer durch die plötzliche Attacke ganz durcheinander geraten waren. Diese Glühwürmchen konnten ihre am Boden flügellosen Weibchen trotz ihres Leichtvermögens nicht mehr ausfindig machen. Zu dem belästigte das Geflimmere und Gesurre die Zwerge. Erst am frühen Morgen fielen sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf und erwachten erst, als die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte. Noch schlaftrunken liefen die kleinen Racker zu einem klaren Rinnsal, wuschen ihre Gesichtchen, wobei sie ihre Äugelchen ordentlich rieben. Ständig, ähnlich den Wildtieren, spitzten sie ihre Ohren, um bei Gefahr rechtzeitig abzuhauen.

An jenem Tage hörten sie Kinderstimmen. Schnell schlüpften die Zwerge unter einen Busch am Rande einer Senke und warteten bis die kleinen Wanderer näher kamen. Es waren mehrere Buben, die durch den Wald strolchten. Direkt vor der Kuhle, wo die Zwerge sich verborgen hielten, legten sie eine kurze Rast ein. Mit dabei war der Sohn vom Tierarzt. Lisa erkannte Hänschen und machte sich bei ihm bemerkbar. Während die anderen Wichtels im Hintergrund blieben und beobachteten. Das tapfere Mädchen setze ihre Tarnkappe ab. Vorsichtig lief sie auf Hänschen zu, krabbelte an seinem Rücken hoch, bis zum Ohr. Sie flüsterte ihm zu, er solle ruhig bleiben, nicht erschrecken und auch nicht um sich schlagen. Hänschen erkannte ihre Stimme. Seine Freunde schauten ihn verwundert an, weil er ein seltsames Verhalten zeigte. Lisa verschanzte sich in seinen Haaren und erzählte ihm: „Ich habe dem Gespenst zur ewigen Ruhe verholfen, du brauchst dich nicht mehr zu fürchten.“ Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, da kam ein riesengroßes, feuerspeiendes Ungetüm angeflogen. Es schnappte sich die beiden im Fluge und verschwand ohne eine Spur zu hinterlassen. Die Kinder und die Zwerge schauten verdutzt und erschrocken in die Richtung, in die der Riesenvogel sich mit Hänschen und Lisa an Bord auf und davon machte. Die Zwilche kamen aus ihrem Hinterhalt gelaufen. Einer der Jungens kroch zu unseren Freunden hin. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Allesamt standen sie unter Schock. Vater Wichtel erläuterte den anwesenden Kindern und Zwergen, dass er mit den im Wald lebenden Tieren so gleich Verbindung aufnehmen wolle. Irgendeiner von ihnen wird wohl wissen, wo dieses Monster lebt. Gesagt, getan. Wie ein Lauffeuer sprach sich dieses fürchterliche Vorkommnis herum. Sogar Laubfrösche, die sonst nur ihr Gequacke im Kopf haben, beteiligten sich.

Die Entführung.

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