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Wie das Zwergenvolk seine Zeit verbrachte

31. Folge: Wie das Zwergenvolk seine Zeit verbrachte

Die Kälte sollte noch einige Wochen anhalten. Lautlos legte sich Flocke auf Flocke auf die winterliche Landschaft. Tiere und Menschen mussten eben warten bis die Zeit kam, in der die Wärme des Sonnenlichts die Natur zu neuem Leben erweckte. Derweil führten die Zwerge ein ganz geruhsames Leben und schlüpften nur aus der Höhe, um nach Essbaren zu suchen. Vor ihrem Bau kehrten sie den frisch gefallenen Schnee mit dünnem Reisig weg. Die Wichtelkinder bauten winzige Schneemänner mit Zipfelmützen oder bewarfen sich gegenseitig mit Schneebällen. Schneite es, versuchten sie die tanzenden Schneeflocken aufzufangen und wunderten sich, dass diese in ihren warmen Händchen auftauten. Manches mal sanken sie bis zum Hals im tiefen Schnee. Ihre Gesichtchen waren durch die eisige Luft puterrot. Lustig und vergnügt stürmten sie durch den Winterwald und ließen sich nicht aufhalten oder beirren. Ab und zu blies der Wind den Schnee von den Ästen. Titi und Max hatten dann Spaß sich darunter zu stellen, die Zunge herauszustrecken, damit die Flocken darauf fielen. Stets kam ihnen etwas Neues in den Sinn. Die kleinen Wichtel kannten keine Langeweile. Sie sprudelten über vor Ideen.

Nicht weit von ihnen war eine gefrorene Wasserpfütze, die die kleinen Racker in den Bann zog. Erst stellten sie das eine Füßchen darauf, dann das andere. Als sie schließlich auf der Eisfläche standen, schlitterten sie ohne ihr Zutun weiter. Ihre kleinen Körper schwankten hin und her, bis sie keinen Halt mehr fanden und auf ihren Hintern landeten. Das tat ein bisschen weh. Aber wie kamen die Waldkinder wieder an das rettende Ufer? Da schrie Miti zu den anderen: „Wir legen uns auf den Bauch und rutschen zum Rand hin.“ Das war ein guter Vorschlag. Alle krochen wie Käfer bäuchlings an den Rand der gefrorenen Lache, zogen sich hoch und plumpsten in den Schnee hinein. Die Knirpse blickten nach oben und trauten ihren Augen nicht. Eine strahlende Eisprinzessin bewegte sich zögernd auf die übermütigen putzigen Wessen zu. Sie stellte sich ihnen in den Weg. Zunächst ärgerten sich die Zwerge. Alsbald merkten sie, dass es nicht so böse gemeint war und schauten sie fragend an: „Warum bist du denn so durchsichtig und glasig?“ Da erwiderte sie: „Ich komme vom Nordpol. Weil auch bei Euch zur Zeit grimmige Kälte herrscht, habe ich es gewagt, eine größere Wanderung über das Land zu machen. Meine Eltern besitzen dort ein großes Schloss aus Eis. Wie Ihr seht, bin ich nicht zu Fuß gelaufen. Ich habe Schlittschuhe angezogen, so dass ich die weite Strecke in kürzester Zeit bewältigen konnte. Weder eisige Kälte noch Schneesturm können mir etwas anhaben. Wenn aber die Zeit kommt, dass der Tagbogen höher wird am Firmament, muss ich zum Nordpol zurück, denn sonst taue ich auf, zerfließe und das wäre mein Ende. So, nun zeige ich Euch, wie man auf dem Eis läuft.“

Alle Zwerge stellten sich hintereinander auf, packten den Vordermann jeweils an den Schultern, um sich dort festzuhalten. Vorne weg natürlich die Eisprinzessin, die das Kommando führte. Leider war die Eisprinzessin eine bisschen flott, die Zwerge ungeübt. Wie Dominosteine fielen die kleinen, mutigen Wichtels um und konnten vor lauter Lachen nicht mehr aufstehen. Das Eismädchen wunderte sich über soviel Fröhlichkeit, welche sie noch nicht erlebt hatte. Auf einmal rannen einzelne Wassertröpfchen an seinem gefrorenen Körper hinab. Kalter Schrecken durch fuhr es. Da entfernte sich die Eisprinzessin ganz heimlich und ohne Abschied zu nehmen. Die Zwerge bemerkten nicht so gleich das Verschwinden der Nordpolarin. Sie schauten nach allen Richtungen – sie war wie vom Erdboden verschluckt. „Schade“, meinten sie, „wir hätten so nett mit ihr spielen können.“ Während sie dahin trotteten, vernahmen ihre empfindlichen Öhrchen zarte Glockentöne. Was war das? Von Neugier erfüllt, wie nun Kinder im Allgemeinen sind, sahen sie überall hin und entdeckten die ersten Schneeglöckchen wie sie ihre Köpfchen in die kalte Luft streckten. „Hurra“, rief Lisa, die Schwester von Maxe, „ich glaube der Frühling kommt. Das hat sicher auch die Eisprinzessin gespürt.“ Miti glaubte noch nicht so recht daran. Zwar flatterte Tauwind über Wald und Flur, aber dennoch wollte der Winter sich noch nicht verkriechen. Abermals türmten sich blauschwarze Wolken am Himmel auf und verdeckten das Licht der Sonne. Eine kleine Weile mussten das Zwergenvölkchen in diesem Gebiet noch ausharren.

Wenn Spaziergänger auf Skier an ihren Höhlen vorbeizogen, sprangen sie auf die komischen langen Bretter. Ganz ungefährlich war das nicht, denn ein Fehltritt und man klatschte in den tiefen Schnee. Wenn die Tarnkappe vom Köpfchen fiel, war es aussichtslos von der Bildfläche zu verschwinden. So geschah es Lisa. Sie war ein übermütiges Mädchen, das schon mal sein Kräfte überschätzte. Einmal war die Kleine auf einen dürren Ast geklettert. Unglücklicherweise verlor sie bei dieser leichtsinnigen Extratour ihr Tarnkappe. Ein kleiner Junge, der ständig wie Hans-Guck-in-die-Luft nach oben schaute, entdeckte das kleine Wichtelfräulein. Er versuchte es mit einem langen Stock vom Baum herunterzuzerren. Da schrie sie wie am Spieß nach ihren Freunden. Aber keiner hörte sie, da Max, Miti und Titi in eine Höhle hineingekrochen waren. Lisa wurden vom Ast gestoßen und schlug auf dem Boden auf. Da erste merkte der Junge, was er getan hatte und hob sie vorsichtig auf. Das kleine Mädchen blutete am Kopf. Die Knie waren zerschunden, die Schmerzen groß. Behutsam trug er das ohnmächtige Zwergenkind in seinen Armen und brachte es seinem Vater, der Tierarzt in einem nahe gelegenen Dorf war. So ein kleines Lebewesen hatten beide, Vater wie Sohn, noch nie in ihrem Leben gesehen. Nach dem der Doktor es untersucht und behandelt hatte, legten sie Lisa in ein mit Kissen ausgestattetes Körbchen und blieben bei ihr bis sie zu sich kam. Erschrocken sah das Görchen sich um. Der Junge beruhigte es und sagte, was passiert war. Nach einer Eile erzählte das Mädchen, wo sie hingehörte. Inzwischen suchten ihre Freunde Lisa im Gebüsch, auf den Bäumen, in Höhlen, unter der Erde – keine Spur von Lisa. Wo steckte sie? Weinend ging der kleine Trupp nach Hause.

Die verschwundene Lisa Wichtele.

Vorbereitungen für den Winter und das Unwetter

10. Folge: Vorbereitungen für den Winter und das Unwetter

Ihre Lebensbedingungen waren sehr bescheiden. Dennoch waren die Zwergenkinder mit ihrem Dasein zufrieden. Sie bastelten aus Weiden kleine Pfeile und Bogen und wetteiferten, wie weit jeder schießen konnte. Nur durfte dabei kein Mensch oder Tier dazwischen geraten. Einmal passierte es, dass Leute durch den Wald spazierten und plötzlich einen Stich im Bein verspürten. Leider konnten sie nicht feststellen, was die Ursache war. Sie meinten, irgendein Insekt hätte sie gestochen. Es war das gleiche Gefühl, als hätten sie sich versehentlich mit einer Nadel gepickt. Den Leuten wurde das
ein bisschen unheimlich, weil sie niemanden sahen. Also verließen sie sehr bald diese Stelle. Die kleinen Zwilche hatten das von ihrem Versteck aus beobachtet. Eigentlich brauchten sie sich nicht zu verbergen, denn sie hatten alle ihre Tarnkappen auf, mit denen sie sich vorher unsichtbar gemacht hatten. Ein wenig waren sie erschrocken, weil ihnen beigebracht wurde, keinem Leid zuzufügen.

Es war Herbst geworden. Die Familie Wichtel und die anderen Zwerge bereiteten sich auf die kalte Jahreszeit vor. Sie verkrochen sich in ihre Höhlen. Dort hatten sie kleine Feuerstellen errichtet, um sich daran zu erwärmen und gleichzeitig ihre Nahrung, sowie den Kräutertee, der vor allen Dingen vor Erkältungskrankheiten schützen sollte, zuzubereiten. Doch blieb es nicht aus, das Klein-Miti plötzlich erkrankte. Hohes Fieber befiel ihn, sein Körper wurde ganz heiß. Seine Eltern packten ihn in erwärmten Laub ein, das sie eiligst im Wald gesammelt hatten und gaben ihm viel heißen Tee zu trinken. Das tat ihm so gut, dass er schon nach ein paar Tagen unternehmungslustig wurde. Trotz und alle dem, Miti überschätzte sich ein wenig. Seine Eltern ließen ihn noch nicht zu seinen Spielkameraden. Erst als er sich richtig erholt hatte, war Miti nicht mehr zu bremsen. Er stürmte in den Wald und sein Gesichtchen strahlte als er seine Freunde sah. Besonders Titi, mit dem er am liebsten durch die Gegend streifte, hatte es ihm angetan.

Nicht weit von ihrer Behausung entdeckten sie einen Waldteich. So etwas hatten sie noch nie gesehen. Hier sprangen langbeinige Wasserfrösche herum und ruhten sich auf großen Teichrosenblättern, die auf der Wasseroberfläche schwammen, aus. Sie machten mit ihrem Gequake einen Höllenlärm. Im Teich schwammen große und kleine prächtige Fische. Miti und Titi waren fasziniert und erstaunt. Ein „upupup“ holte die Zwergenkinder auf die Erde zurück. Es war der Ruf eine Wiedehopfs. Darüber vergaßen die beiden Zwilche fast, dass sie noch vor Dunkelheit zu Hause sein mussten. In letzter Minute eilten sie heim und erzählten ohne Unterbrechung, was sie gesehen hatten. Die Eltern hatten große Mühe, die aufgeregten Kinder zu beruhigen. Vater Wichtel erklärte ihnen, welche Bedeutung die Natur habe.

„Selbst wenn ein Wasservogel oder ein anderes Tier einen Fisch als Nahrung für sich und seine Jungen fängt, wird nur jenes Tier erwischt, dass nicht so schnell ist und damit bleiben gesunde Tiere am Leben. Das wäre nicht mit Krieg oder Streit gleichzusetzen“, fügte er hinzu. Die übermüdeten kleinen Zwilche schliefen nach dem Abendbrot sofort ein. Mutter Wichtel legte sie vorsichtig auf das aufgeschichtete Laub und überließ sie ihren Träumen. Am nächsten Tag, als sie aufwachten, regnete es in Strömen. Kleine Bäche ergossen sich über den bemoosten Waldboden und alle Familien in der Umgebung hatten unheimlich zu tun. Sie gruben in Windeseile tiefe Gräben und leiteten das Wasser in eine andere Richtung. Vor ihren Höhlen bauten sie klein Erdwälle.

Gegen Mittag hörte endlich das Unwetter auf. Die Sonne schickte ihre herbstlich warmen Strahlen auf die Erde. Kleine Nebelschwaden entstanden über dem feuchten Waldboden. Den kleinen Höhlenbewohnern war jegliche Sicht versperrt. Sie schlüpften vorsichtig in ihre Erdlöcher zurück und warteten geduldig bis der feuchte Dunst sich verzogen hatte. Die Überschwemmung hatte verheerende Folgen für die Knollennasen. Die Pflanzen, von denen sie sich hauptsächlich ernährten, die Kräuter für den Tee, wurden hinweg geschwemmt. Viele Bäume kippten der Länge nach um, weil der Boden durch die Nässe aufgeweicht war. Etliche Tiere, die aus ihren Unterschlüpfen geeilt waren um sich zu retten, kamen durch abstürzende Äste ums Leben. Es sah aus, als sei dieser Ort durch Krieg verwüstet worden. Die Zwerge wussten nicht mehr von was sie leben sollten. Sie hatten Hunger und machten sich große Sorgen um ihren Nachwuchs. Den Tieren erging es ebenso. Zu allem Übel wurde es dann noch sehr kalt. Es schneite. Klirrender Frost verwandelte den Erdboden in eine Rutschbahn. Die Menschen in den nahe gelegenen Dörfern beobachteten wie die armen Tiere aus dem Wald getrottet kamen und nach Nahrung suchten. Sie bauten Futterkrippen, stellten diese am Waldesrand auf und gaben Heu, Kastanien, Rüben und Äpfel hinein. Selbstverständlich bekamen die Wichtels ihren Anteil, denn die Rehe, Hirsche, Hasen und all die anderen Tiere wollten nicht eigennützig sein.

In jenem Jahr war der Winter sehr hartnäckig, denn es schneite immer weiter. Bis in das nächste Frühjahr mussten alle Waldbewohner und auch die Bauern geduldig warten. Da alle sich in der gleichen Lage befanden, ermutigte man sich gegenseitig, selbst wenn ab und zu der Magen knurrte. „Bald wird das Wetter besser werden“, sagten sie sich. Mit dieser Zuversicht überstand Mensch und Tier die harte Zeit. Die Krieger zogen weiter in andere Länder und schafften dort Unfriede.

Die Anwohner fühlten sich in ihnen hintergangen, wollten auch nichts mehr mit ihnen zu tun haben und hatten letztendlich Ruhe und Frieden. Die in der Tropfsteinhöhle versteckte Beute bestand aus Geld und Gold und konnte an die Leute zurückgegeben werden. Der Höhlenmensch blieb weiterhin in seiner unterirdischen Behausung bis an sein Lebensende. Da die Zwerge den bösen, schrecklichen Menschen nicht klar machen konnten, dass Gewalt keinen Erfolg bringt, verschwanden sie über alle Berge und ließen die Menschen allein in ihrem Wahn.

Ein Wiedersehen mit den Wichtels.

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