Die Geschichte von kleinen Waldmenschen

Fantasygeschichte von Renate Bertram (* 09.05.1935 - † 04.10.2018)

Die Zwerge wollen ihre Reise fortsetzen

67. Folge: Die Zwerge wollen ihre Reise fortsetzen

Nun, zum Glück hielt die Kälte nicht lange an und die Temperaturen stiegen sogar bis auf 11°. Schneeglöckchen und Märzenbecher blühten schon seit einigen Tagen. Auch Bäume und Sträucher setzten Knospen an, die ein späterer Maienfrost wieder zerstören kann. Dann schafft der Johannistrieb im Juni neues Laub.

Unsere kleinen Lieblinge waren froh, dass das wärmere Wetter der vordringenden Kaltfront Einhalt gebieten konnte. Tagelang, auch in der Nacht, zeigte sich kein einziges Wölkchen am Himmel. Keine Hast war also nötig, eine schützende Unterkunft zu finden. Waren die Kerlchen müde, brauchten sie sich nur unter ein Blätterdach zu legen.

Am anderen Tag beabsichtigten sie ihre Reise fortsetzen, wurden aber durch ein Vorkommnis aufgehalten, das sie berührte: Ein kleines Mädchen saß weinend auf einem Baumstumpf. Die Wichtels eilten zu ihm hin, um zu erfahren, was geschehen war. Unter Tränen gestand das Kind, dass es von zu Hause fort gelaufen sei. Wütend wäre es durch unwegsames Gelände gerannt, hätte nicht aufgepasst wohin der Weg führt und sich verirrt. „Wie lange bist du schon unterwegs ?“, wollten die Waldbewohner wissen. „Seit gestern Abend“, erwiderte es traurig. „Der Wald ist modrig“, sagte Vater Wichtel, „diese Feuchtigkeit verträgt kein Mensch ohne krank zu werden. Deine Eltern machen sich gewiss große Sorgen um dich“. „Nein, nein, das kann nicht sein. Mein Brüderchen wird mehr umsorgt als ich“. „Ach, daher weht der Wind, du glaubst, benachteiligt zu werden“, entgegnete der Zwergenlehrer, „das glaube ich nicht“.

Das sorglose Häslein

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